Paul Klee und Franz Marc - Dialog in Bildern

Possierlich und grotesk

Während der erste Weltkrieg tobte, verband die Maler Paul Klee und Franz Marc eine enge Freundschaft. Eine Ausstellung illustriert die Beziehung der beiden Künstler.

Als Franz Marc Paul Klee schließlich das Du anbietet, fühlt er sich "unsagbar einsam in Deutschland". Es ist der 23. Oktober 1914, kurz zuvor war sein enger Freund August Macke im Ersten Weltkrieg gefallen, als Marc mit rührenden Worten auf einer Feldpostkarte um Klees Freundschaft wirbt: "Lieber Klee, gib du mir wenigstens die Hand u. laß uns brüderliche Freunde werden, über dem Grabe dieses anderen guten; so bin ich wenigstens nicht ganz allein; willst du?"

Klee antwortet fünf Tage später: "Lieber Franz, ich bin schon lang Dein guter Freund und es ist mir eine seltene Freude zu wissen, dass diese Freundschaft von Dir ganz erwidert wird." Bereits anderthalb Jahre später fällt auch Marc dem Krieg zum Opfer, als er bei Verdun von einem Granatsplitter in die Schläfe getroffen wird. Franz Marc und Paul Klee lernten sich 1912 bei der Vorbereitung für die zweite Ausstellung des "Blauen Reiters" kennen. Ihr freundschaftlicher Kontakt, der für die Entwicklung beider Künstler von großer Bedeutung sein wird, schlägt sich in einem intensiven Briefwechsel nieder; ab 1913 kam der Austausch illustrierter Postkarten hinzu.

Mindestens 24 solcher Karten gingen zwischen Februar 1913 bis März 1914 zwischen den Ehepaaren Marc in Sindelsdorf und Klee in München hin und her. Meist steht Belang­loses darauf, man erkundigt sich nach der Gesundheit oder versucht Termine für ein Treffen zu vereinbaren, bisweilen wird Berufliches verhandelt. Häufig sind es gar nicht die Maler selbst, sondern ihre Frauen, die die gemalten Grüße ihrer Ehemänner um eigene, kurze Botschaften ergänzen – nicht zuletzt nimmt Marcs Frau Maria bei Lily Klee Klavierunterricht. Während Marcs Karten häufig sorgsam ausgearbeitete Kompositio­nen mit Tierpaaren in der für ihn typischen Farbigkeit abbilden, haben Klees Postkartenbilder die Anmutung hastig gekritzelter Kinderzeichnungen.

Auf Rehe in fantastischer Landschaft, possierliche Katzen oder ein Rudel Wölfe (in Anspielung auf die Kritiker einer Klee-Ausstellung) antwortet Klee mit grotesken Figuren, einem stark abstrahierten Stier (als Reverenz an Marcs Tiere) oder einem karikierten Polizisten mit Spürhund, der womöglich auf Marcs Aufspüren eines Käufers für Klees Werke gemünzt ist. Gezeigt werden in dieser ersten Ausstellung zur Beziehung der beiden Künstler neben den Postkarten und illustrierten Briefen auch die Werke, die sie einander schenk­ten, Bilder, die im engen Austausch entstanden sind, so­wie Werkgruppen, die sich auf gemeinsame Projekte oder Interessen beziehen.

"Paul Klee - Franz Marc: Dialog in Bildern"

Termin: bis 3. Oktober 2010, Franz-Marc-Museum, Kochel am See; Weitere Stationen: Stiftung Moritzburg, Halle, 22. Oktober bis 31. Dezember 2010; Zentrum Paul Klee, Bern, 28. Januar bis 30. April 2011. Neben einem Katalog (36 Euro) erscheint die vollständige Korrespondenz zwischen Klee und Marc als Buch (44 Euro), beides im Nimbus Verlag
http://www.franz-marc-museum.de