Julius Popp - Museum Haus Lange

Bitte noch ein Bit

Computergenerierte Prozesskunst des Adolf-Luther-Preisträgers Julius Popp im Museum Haus Lange in Krefeld.

Der Lichtkünstler und große Experimentator Adolf Luther (1912 bis 1990) hätte seine helle Freude gehabt an Julius Popp, dem jungen Empfänger des nach ihm benannten Kunstpreises. Aus Anlass der Verleihung durch die Adolf-Luther-Stiftung im Juli inszeniert Popp (geboren 1973) nun im Krefelder Haus Lange seine eigenen Versuchsanordnungen.

Bereits 2002 eroberte der gebürtige Nürnberger Galerieräume mit seinem "Bit.Fall" – einem digital gesteuerten Wasserfall. In Intervallen formieren sich dort kleine Tropfen zu Schlüsselwörtern, die das ausgeklügelte System direkt aus dem Internet bezieht: ein Menetekel der Mediengesellschaft und ihrer flüchtigen Exzesse.

Ganz im Sinne des Preisstifters Luther versucht Popp resolut, die Bühnenvorhänge der medialen Scheinwelten zur Seite
zu schieben und Mechanismen dahinter zu ergründen. Hellsichtig hatte Luther einst orakelt: "Vielleicht wird der Mensch nie er­fahren, was die Wirklichkeit ist. Wir werden uns wieder bemühen, ihr näher zu kommen..., jede Generation für ihre Zeit." Julius Popp, der in Leipzig bei Astrid Klein studiert hat, gehört zu dieser jungen, neugierigen Generation, die versucht, naturwissenschaftliche und technologische Geheimnisse auf einer sinnlichen und letztlich unterhaltsamen Ebene zu enträtseln.

Wie schon bei "Bit.Fall" experimentierte er dabei auch für "Bit.Flow" (2005/07) mit einer künstlichen Intelligenz, indem er per selbst lernender Software eine Maschine in die Kunstproduktion einspannte: Einmal programmiert, berechnet diese selbst, wann sie rote Farbtropfen in ein durchsichtiges Schlauchgewirr entlässt, so dass sich schön anzusehende, minimalistische Muster bilden.

Auch die leise ratternde Wandinstallation "Bit.Code" (2009) aus schwarzen und weißen Elementen funktioniert so ähnlich. Aus dem Chaos von Mustern entstehen, kurz und überraschend, lesbare Informationen. Was wie Zufall erscheint, ist Berechnung. Ein intelligentes Abenteuer für Auge und Verstand, das sich hervorragend zur sachlich-seriellen Architektur des Krefelder Hau­ses Lange, 1927 von Ludwig Mies van der Rohe entworfen, fügt.

"Julius Popp: Transposition"

Termin: bis 19. September, Museum Haus Lange, Krefeld. Es erscheint eine Dokumentation, die im Museum zirka 18 Euro kostet
http://www.kunstmuseenkrefeld.de/

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