Holländische Genremalerei - Schwerin

Geheimer Blockbuster

Das Staatliche Museum Schwerin glänzt mit einer Ausstellung holländischer Genrebilder von herausragender Qualität - obwohl der größte aller Holländer fehlt. Eine Ausstellung mit kaum bekannten Kostbarkeiten aus der Sammlung.

Kleine Bilder waren im 18. Jahrhundert groß in Mode. Die Kunsthändler hatten ihre adlige Kundschaft davon überzeugen können, ein Zimmer voll brillant gemalter Kleinformate in möglichst vielfältigen Stilen sei ebenso prestigeträchtig wie ein Saal voller Staatsporträts und Schlachtenbilder. Dem begeisterten Sammler Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin kam das gerade recht: Nach kostspieligen Kriegen und Machtkämpfen waren die Mittel des Herzogs in den dreißiger und vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts begrenzt.

So ließ er seine Abgesandten in Holland vor allem Kabinettstücke erwerben, diese aber in solcher Fülle, dass der Bestand im heuti­gen Museum nur in Auszügen gezeigt werden kann. Nicht nur dank der berühmten "Torwache" von Carel Fabritius zählt die Genremalerei, also die Darstellung von Alltagsszenen oder unbenannten Einzelfiguren, zu den Herzstücken der Schweriner Sammlung. Zur Vollendung des Bestandskatalogs holländischer Genrebilder kann Kustos Gero Seelig nun viele kaum bekannte Kostbarkeiten aus dem Depot holen. Die rund 70 Werke umfassende Schau und der Katalog bringen neue Erkenntnisse.
Hauptattraktion aber ist der Reichtum an Qualität – jedes Museum, das eine solche Ausstellung mit Leihgaben zusammentrüge, würde sie als Blockbuster anpreisen. Von einem "Flötenspieler" des Utrechter Caravaggisten Gerard van Honthorst reicht der Bestand bis zu Bauernszenen von Paulus Potter, von den detailverliebten Miniaturen des Leidener Feinmalers Gerard Dou bis zu zwei luftigen Knabenköpfen von Frans Hals. Dass der größte aller Holländer in Schwerin fehlt, tut dem Rang des Ganzen kaum einen Abbruch – inzwischen ist auch das letzte von insgesamt 13 Gemälden, die hier einmal als Rembrandt-Orginale gegolten haben, dem Meister abge­schrie­­ben worden.

"Scheinbar vertraut - Die holländische Genremalerei in Schwerin"

Termin: 14. November, Staatliches Museum Schwerin, Katalog: "Die holländische Genremalerei in Schwerin: Bestandskatalog Staatliches Museum Schwerin", 2010, Imhof, Petersberg, 26,95 Euro
http://www.museum-schwerin.de/museum/start.htm