Cosima von Bonin - The Fatigue Empire

Faulenzerei als Waffe

Mit neuen Arbeiten zeigt die Kölner Künstlerin Cosima von Bonin im Kunsthaus Bregenz, dass Faulheit durchaus etwas Produktives sein kannn. Und Bregenz ist erst der Anfang, danach freuen sich Bristol, Rotterdam und Köln über ihre entspannten Installationen.
Faulenzerei als Waffe:Cosima von Bonin im Kunsthaus Bregenz

Cosima von Bonin: "The Bonin/Oswalds Empire’s Nothing #03 + #01"

"Wenn nur halb so viele Leute kommen wie angekündigt, wird das ein großer Auftrieb", freut sich aufgeregt Yilmaz Dziewior. Immerhin konnte er für seine erste Ausstellung als neuer Direktor des Kunsthauses Bregenz einen Documenta-Star gewinnen, seine alte Bekannte, die Kölner Künstlerin Cosima von Bonin (geboren 1962). Es soll ihre größte Ausstellung werden, die erste in Europa seit Jahren. Es werden nur neue Arbeiten gezeigt. Und es ist der Auftakt eines ganzen Ausstellungsreigens, der sich von Bregenz über Rotterdam bis nach Köln fortsetzt.

Wie aber reagiert man als skeptische Künstlerin auf derart hohe Erwartungen? Man versucht, dem Hype die Hysterie zu nehmen. Schon der Titel, "The Fatigue Empire", das Imperium der Müdigkeit, scheint zu beschwichtigen. Bonins riesige Stofftiere werden schlapp in der Gegend herumhängen, und es wird ein Kneipp-Becken zur Erfrischung geben. Mit derartigen Nachbauten hinterfragt Bonin die Grenzen zwischen Kunst und Alltag. So wird sie noch den Schulungsraum des Museums verkleinert zeigen und einem echten Pick-Up seine Skulptur aus Holz gegenüberstellen – eigentlich ein männliches Macho-Auto, das Bonin allerdings auf einer Gay-Parade entdeckte, wo Lesben darauf tanzten. Der rotweißkarierte Stoffüberzug, den Bonin ihm verpasste, erinnert an diese feminine Seite.
Trotz aller Neuigkeiten darf aber auch der faule Pinocchio auf seinem Schiedsrichterstuhl nicht fehlen. Er scheint Bonins Maskottchen für diese stressige Zeit zu sein: In Wien hat sie ihn bereits metergroß und aus weißem Stahl mitten in die hektische Innenstadt gestellt. In Bregenz kehrt er in anderem Material wieder.

Im Rotterdamer Kunstzentrum Witte de With wird nicht einmal drei Monate nach Bregenz am 8. Oktober die nächste große Einzelausstellung Bonins eröffnen. Im Zentrum steht hier eine Arbeit, die mit einer "Lazy Susan" ebenfalls die Faulheit im Titel trägt. Während "Lazy Susan" im allgemeinen Sprachgebrauch für eine Drehplatte steht, wie man sie etwa in China-Restaurants in der Tischmitte findet, wird Bonins "faule Suse" vier Meter groß sein und Stofftiere servieren, verrät Kuratorin Zoë Gray. Aber auch die Ausstellung als Ganzes soll in jeweils abgewandelter Form "rotieren" – und zwar von Rotterdam aus ins Arnolfini-Zentrum in Bristol, ins Mamco Genf und schließlich ins Kölner Museum Ludwig.

Cosima von Bonin: "The Fatigue Empire"

Termin: bis 3. Oktober, Kunsthaus Bregenz, Katalog: "Cosima von Bonin: The Fatique Empire", Hg. Yilmaz Dziewior, Kunsthaus Bregenz, 2010, 52 Euro
http://www.kunsthaus-bregenz.at/html/welcome00.htm