Richard Misrach - New Orleans

Zerstört diese Erinnerung

Vor fünf Jahren zerstörte der Hurrikan Katrina Amerikas Ostküste. Der Fotograf Richard Misrach dokumentierte die Naturkatastrophe. Nun wandert seine Ausstellung quer durch Amerika.

Es ist ein trauriges Jubiläum: Ende August vor fünf Jahren wütete Hurrikan Katrina an Amerikas Golfküste und richtete besonders im Großraum von New Orleans Schäden an, von denen sich die Stadt und die Menschen noch immer nicht erholt haben. Der in Kalifornien lebende Fotograf Richard Misrach setzte sich damals in seinen VW-Bus und machte sich auf nach New Orleans. Von Oktober bis Dezember 2005 schoss er an die 3000 Bilder, viele davon mit seiner Digitalkamera.

"Die Golfküste von Mississippi erinnerte an einen apokalyptischen Film. Es gab riesige Gebiete in New Orleans, in denen ich die ganze Zeit, bis auf die Ausnahme von drei Nationalwachen, keinem Menschen begegnete", erinnert Misrach. "Das Ausmaß der Zerstörung war endlos, der Geruch von Tod und Schimmel hing in der Luft." Fünf Jahre ließ er die Bilder ruhen. Für eine Wanderausstellung in den USA stellte Misrach seine Aufnahmen von Graffitis und Botschaften zusammen, die Anwohner und Rettungsleute an Häuserwänden, auf Autowracks, an Bäumen und auf Pappschildern am Ort der Verwüstung zurückgelassen hatten. "Destory this Memory" ("Zerstört diese Erinnerung") an eine der verheerendsten Naturkatastrophen, die das Land je erlebt hat, stand auf der Backsteinwand eines Wohnhauses. Vielleicht meinten die Anwohner auch, dass Hurrikan Katrina ihnen die Erinnerungen an ihr zu Hause und an ihre Vergangenheit geraubt hatte. "Wir werden wieder aufbauen" war auf einem Schild an einer Straße zu lesen. Dahinter erhob sich ein Jesus am Kreuz in den Himmel. Andere hinterließen die ebenso fassungslose wie hilflose Frage: "Was jetzt?"

Der Katastrophe ein Gesicht zu geben

Der 1949 in Los Angeles geborene Richard Misrach, der seine Motive in der Vergangenheit vor allem in der Natur seines Heimatlandes gefunden hat und seit mehr als 30 Jahren in seiner Serie "Desert Cantos" das nicht selten desaströse Zusammenspiel von Mensch und Natur studiert, entschloss sich dazu, seine 69 Bilder umfassende New-Orleans-Serie an Museen in den USA zu geben. Darunter das Museum of Modern Art in New York, die National Gallery of Art in Washington, das New Orleans Museum of Art und das Museum of Fine Arts in Houston, das den Bildern ebenso wie das Museum in New Orleans noch bis 31. Oktober die Ausstellung "Richard Misrach: After Katrina" widmet. Die Foto-Serie wird von hier aus weiter in andere amerikanische Städte reisen, um der Katastrophe erneut ein Gesicht zu geben und daran zu erinnern, dass die Menschen damals wie heute Hilfe brauchen. Richard Misrachs Katalog zur Ausstellung kommt ohne Titel oder Essays aus. Die Nachrichten, die New Orleans Bewohner hinterließen, sprechen für sich, fand der Fotograf.

Ab 20. August schließen sich das Houston Center for Photography und das Lawndale Art Center, ebenfalls in Houston, mit einer fahrenden Ausstellung zu Katrinas Jahrestag an. Die beiden Fotografen und Gründungsmitglieder der Fotoreporter-Agentur NOOR, Stanley Greene und Kadir Van Lohuizen, dokumentierten über fünf Jahre, wie die Menschen aus den Katastrophengebieten der Golfküste tagtäglich darum kämpfen, ihr Leben wiederaufzubauen. Ihre Ausstellung "Those Who Fell Through the Cracks" wird auf den Außenwänden und im Innenraum eines Lastwagens installiert, der von Houston bis nach New Orleans fährt.

"Richard Misrach: After Katrina"

Termine: bis 31. Oktober, Museum of Fine Arts, Housten; 28. August bis 24. Oktober, Museum of Art, New Orleans; Katalog: "Destroy this Memory: Photographs by Richard Misrach", 49 Euro. "Those Who Fell Through the Cracks": Termin: 20. bis 25. August, Lawndale Art Center, Houston
http://www.mfah.org/