Neo Rauch - Bernhard Schwenk

Rauch wird ein Klassiker

Am Kunstmarkt ist er schon lange ein Star. Nun hat Neo Rauch zwei deutschen Kunstmuseen einen Besucherboom beschert. Mehr als 250 000 Kunstinteressierte sahen sich seine Werke in München und Leipzig an. Der Kurator Bernhart Schwenk sprach im Interview über den Künstlerstar.

Die Neo-Rauch-Doppelschau in München und Leipzig hat bislang mehr als eine Viertelmillion Besucher angelockt. Damit war sie wenige Tage vor ihrem Ende bereits für beide Museen jeweils die erfolgreichste Ausstellung überhaupt, wie die Häuser am Donnerstag mitteilten. In der Pinakothek der Moderne in München sahen sich bisher 165 000 Menschen die Werke des Leipzigers an, ins Museum der Bildenden Künste in der Heimatstadt des Malers kamen 92 000 Besucher. An diesem Sonntag geht die Doppelretrospektive "Neo Rauch. Begleiter" nach vier Monaten zu Ende. Die je 60 meist großformatigen Werke kehren danach wieder zu ihren Besitzern zurück.

Herr Schwenk, die große Neo Rauch-Retrospektive in der Pinakothek der Moderne geht zu Ende. Ihr Fazit?

Bernhard Schwenk: Die Ausstellung ist eine der wichtigsten Ausstellungen in unserem Haus gewesen. Und sie ist auch die besucherstärkste Ausstellung gewesen – jetzt schon, obwohl noch ein besucherstarkes Wochenende aussteht. 165 000 waren es schon nach dem letzten Wochenende. Wenn wir Glück haben, knacken wir vielleicht die 180 000. Bei einer Ausstellung zur Gegenwartskunst wären 50 000 oder 60 000 Besucher schon ein enormer Erfolg gewesen. Und jetzt sind es dreimal so viele geworden. Das ist wirklich sensationell. Offenbar war es die richtige Ausstellung zur richtigen Zeit.

Warum war sie das?

Die Bilder von Neo Rauch scheinen einem Zeitgeist zu entsprechen. Sie liefern Assoziationen mit unseren gegenwärtigen Erfahrungen und spiegeln auch Ängste und Hoffnungen unserer Zeit wieder wie eine allgemeine Unsicherheit über die Werte von Arbeit, Freizeit und Gemeinschaft – und die Rolle des Individuums in unserer Gemeinschaft. Es sind Dinge, die sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch noch einmal stark verändert haben. Man kann aber auch sagen, dass Neo Rauch als jetzt 50-Jähriger auf ein relativ bekanntes Werk zurückblickt. Der Bekanntheitsgrad hat zur Mitte seiner Karriere einen Punkt erreicht, an dem der Name die größtmögliche Strahlkraft hat.

Heißt das, jetzt geht es schon wieder bergab mit Neo Rauch?

Naja, irgendwann wird ein Künstler eben zum Klassiker. Aber jetzt hat man das Gefühl, dabei zu sein, wie ein Gegenwartskünstler ein Teil der Kunstgeschichte wird. Viele Menschen haben Neo Rauch durch die Ausstellung für sich entdeckt.

Hat die Ausstellung auch unter Kunsthistorikern etwas bewirkt? Hat sie Einfluss genommen auf die Rauch-Rezeption?

Ich glaube fast, dass diejenigen, die vorher skeptisch waren, jetzt vielleicht ein differenzierteres Bild von Neo Rauch mitnehmen konnten. Auch wenn die Bilder nicht allen gefallen, müssen alle feststellen, dass an diesem Künstler niemand mehr vorbeikommt.

Für die Pinakothek ist es jetzt natürlich schwer, den Erfolg der Ausstellung noch einmal zu übertreffen, oder?

Wir denken uns für unser zehnjähriges Jubiläum im Jahr 2012 etwas Schönes aus. Dann haben wir einen zeitlichen Abstand und dann kann die Pinakothek der Moderne wieder neu glänzen. dpa

"Neo Rauch - Begleiter"

Termine: bis 15. August, Pinakothek der Moderne, München; Museum der bildenden Künste, Leipzig
http://www.neo-rauch-ausstellung.de/