Hank Schmidt in der Beek - Kunstverein Hamburg

Im Grunde gibt es nur Dick und Doof

Der Münchner Künstler Hank Schmidt in der Beek präsentiert in seiner ersten Einzelausstellung im Kunstverein Hamburg einen humoristischen Streifzug durch die Kunstgeschichte.

Kinder tanzen um Marcel Duchamps Rad, und Dick und Doof schweigen betreten mit Yves Tanguy, während Karl Valentin in seine Tuba bläst und ein Mädchen die letzte Schachtel auf Warhols "Brillo Boxes" stapelt: Der Kunstverein Hamburg stellt über 300 Collagen des Künstlers Hank Schmidt in der Beek aus, in denen der Münchner nicht davor zurückschreckt, Klassiker neu zu interpretieren.

Schmidt in der Beek schöpft aus dem Repertoire der Modernen Kunst, er zitiert, kombiniert und karikiert bekannte Motive der Kunstgeschichte und setzt diese in einen völlig neuen Zusammenhang. Es ist durchaus eine humoristische Annäherung die Schmidt in der Beek betreibt, durch das Hinzufügen einer weiteren Bildebene gibt er prägenden Werken des 20. Jahrhunderts das Augenzwinkern, den Witz zurück, der ihnen ursprünglich anhaftete, bevor sie den bedeutungsschweren Status eines Klassikers erlangten.

So sitzen Stan Laurel und Oliver Hardy, alias Dick und Doof, in Duchamps Pissoir und benützen es als Automobil, oder Duchamp selbst ruht am Rand einer dampfenden Kaffeetasse Roy Lichtensteins und raucht. Schmidt in der Beeks Figuren benützen die Klassiker jedoch nicht nur als bloße Bühne, sie gehen einen Dialog mit den Werken ein, wild gestikulierend kommentieren sie, erklären oder teilen kopfschüttelnd ihr Missverständnis mit. Es ist nur allzu verständlich, wenn Stan Laurel äußerst verzwickt auf Gerrit Rietvelds zwar berühmtem aber offensichtlich unbequemen rot-blauen Stuhl sitzt, oder wenn Karl Valentin hinter das Rätsel der minimalistischen Konstrukte Sol de Witts kommen möchte und ihnen mit der Säge auf den Leib rückt.

"Ich habe dafür meine Bibliothek zerschnitten"

Bezeichnend für das Werk Schmidt in der Beeks ist das Zusammenspiel von bildlicher und textlicher Ebene, oft begleiten kurze Verse die Collagen und ersetzen die fehlenden Titel oder Untertitel. Während zum Beispiel Duchamp in seinem "Akt, eine Treppe hinabsteigend" die Bewegungsabläufe einer Frau studierte, schreitet hingegen in Schmidt in der Beeks "Akt, eine Treppe hinabzumsteigen" das Künstlerduo Gilbert und Georg diskutierend eine Treppe hinab und unterhält sich in breitem Bayrisch über die Unannehmlichkeiten, die das Treppensteigen mit sich bringt. Die Verse werden zur Anleitung das Bild zu lesen und lassen somit keine weiteren Interpretationen zu, sie lösen die bekannten Werke noch mehr von ihrer bisher anerkannten kunsthistorischen Bedeutung und liefern eine harmlose, aber offensichtliche Auslegungsmöglichkeit.

Betrachtet man die feine Ausarbeitung und den Umfang der Collagen scheinen die eineinhalb Jahre Produktionszeit, die der Künstler laut eigenen Angaben dafür brauchte, fast gering. Da sich einige Figuren dermaßen nahtlos und perfekt in ihren neuen Hintergrund schmiegen und kaum als Collagen auffallen, ist es beinahe schwer zu glauben, dass der Künstler nur Originalmaterialien aus seiner Sammlung verwendete. "Ich habe dafür meine Bibliothek zerschnitten", sagt Schmidt in der Beek und tatsächlich lassen sich ab und zu Buchseiten eines Kunstgeschichtsführers erkennen.

Panoramablick auf Schmidt in der Beeks Collagen

Schmidt in der Beek studierte an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und an der Academie des Beaux-Arts in Brüssel. Er stellte bislang in München, Berlin, Oakland und Paris aus, weitere Arbeiten von ihm waren in Gruppenausstellungen in Wien, London, Glasgow und Istanbul zu sehen. 2009 erhielt er den "Szpilman Award" für die Arbeit "In den Zillertaler Alpen", eine Foto-Reihe, in der er als klassischer Pleinairmaler mit Staffelei und Pinsel vor schneebedeckten Bergen zu sehen ist, allerdings malt er dabei nicht den romantischen Ausblick, sondern das Karomuster seines Hemdes nach.

Durch eine lückenlose Hängung an allen vier Wänden bietet die Ausstellung "Ein Akt, eine Treppe hinabzumsteigen" einen guten Panoramablick auf Schmidt in der Beeks Sichtweise der modernen Kunstgeschichte, seine humorvollen Collagen brillieren, ohne jemals platt zu wirken, immer wieder lassen sich Details entdecken, die den Betrachter unweigerlich zum Schmunzeln bringen. Es ist auch nicht von Nöten, ein Experte der Moderne zu sein, um die Collagen zu verstehen, Schmidt in der Beek geht es nicht um Namedropping herausragender Werke, es ist die Kombination, die Beziehung seiner Figuren mit den Klassikern, die den Charme der Arbeiten ausmacht. Im Vorwort des Begleitbuches "Collagen und Gedichte" schreibt er deshalb auch: "Der mittlerweile geflügelten Aussage, die Picasso über Matisse getroffen hat, stimme ich seit jeher ausnahmslos zu, jedoch nicht in Bezug auf Matisse, sondern in Bezug auf Stan Laurel und Oliver Hardy: Im Grunde gibt es nur Dick und Doof."

"Hank Schmidt in der Beek: Akt, eine Treppe hinabzumsteigen"

Termin: bis 12. September, Kunstverein Hamburg
http://www.kunstverein.de/ausstellungen

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