White Bouncy Castle - Deichtorhallen Hamburg

Hüpfspass im Luftschloss

Kunst zum Mitmachen: In den Hamburger Deichtorhallen sind die Besucher nicht mehr nur Beobachter, sondern selbst Teil der Installation des Choreografen William Forsythe.

Es ist weiß, riesig und dabei luftig leicht: das "White Bouncy Castle" des amerikanischen Choreografen William Forsythe, eine der größten Innenraum-Kunstinstallationen der Welt, ist bis zum 12. September in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen, zu bestaunen und zu "behüpfen". Tatsächlich handelt es sich bei dem "Castle" nämlich um eine gut 30 Meter lange und elf Meter hohe Hüpfburg, ein Objekt, bekannt von Kirmes und Kindergeburtstag.

Wer sich nun fragt, was eine große weiße Hüpfburg in einer Ausstellungshalle für zeigenössische Kunst zu suchen hat, während doch die kleine, bunte Hüpfburg als Spielzeug gilt, der werfe einen Blick auf Forsythes Wahrnehmung vom seinem Bouncy Castle. Für Forsythe, der als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Choreografen weltweit gilt, von 1984 bis 2004 Direktor des Ballett Frankfurt war und seit 2005 Leiter der Forsythe Company ist, verkörpert das Bouncy Castle einen "alternativen Choreografieraum". Vor etwa 15 Jahren begann er, sich neben seiner Arbeit für das Ballett auch mit anderen Formen der Choreografie auseinanderzusetzen: In seinem Essay "Choreografische Objekte" stellt er die Frage, ob Choreografie auch losgelöst vom Körper des Tänzers einen "autonomen Ausdruck" entwickeln könne. Ob also Choreografie auch in Form eines choreografischen Objekts, welches ein alternativer Schauplatz der Choreografie selbst ist, existieren kann.

"Sobald man das Schloss betritt, hat der Tanz schon begonnen"

Als einen solchen "alternativen Schauplatz" hat Forsythe das White Bouncy Castle geschaffen. In ihm gibt es weder Betrachter noch Zuschauer, sondern nur Teilnehmer: Jeder, der in das Schloss hineingelangt, ist Tänzer und Choreograf zugleich, denn "sobald man das Schloss betritt, hat der Tanz schon begonnen", so Forsythe. Es wird eine andere, alternative Form der Choreografie geschaffen, die eigenständig daher kommt und keines lenkenden, einflussnehmenden Leiters bedarf.

Und wenn es gilt, selbst teilzunehmen, sind meist alle begeistert: Kinder können sich austoben, Teenager springen um die Wette, und selbst gut gekleidete Herren und ältere Damen entledigen sich ihrer Schuhe und hüpfen was das Zeug hält. Nicht ohne Grund beschreibt Dirk Luckow, Generalintendant der Deichtorhallen, das White Bouncy Castle als Gegenstück zu Jonathan Meeses Black Box, die im Rahmen seiner Ausstellung "Mama Johnny" im Jahr 2006 in den Deichtorhallen zu sehen war: Das Schloss sei dabei kein Ort für Botschaften, wie die Black Box bei Meese, sondern ein Ort für Erfahrungen – und zwar solche am eigenen Körper. Erfahrungen, die überwiegend positiv sind: Die Menschen, die das Bouncy Castle verlassen, haben zumeist ein Lächeln auf den Lippen und ein Strahlen in den Augen, die Installation macht ganz einfach Spaß. "Die Hemmschwelle bei einem solchen Projekt ist kleiner", sagt Luckow treffend. Es kämen vermehrt auch solche Besucher, die sonst vielleicht nicht in die Deichtorhallen gingen.

Schnittstelle von Kunst und Tanz

Das White Bouncy Castle, welches Forsythe zusammen mit Dana Caspersen und dem Komponisten Joel Ryan entwickelt hat, ist seit 1997 bereits in London, Wien, Frankfurt und Montpellier Publikumsmagnet gewesen. In Hamburg wird es nun als eine Kooperation der Deichtorhallen und des Internationalen Sommerfestivals Hamburg präsentiert. Matthias von Hartz, künstlerischer Leiter des Festivals, ist zufrieden, Forsythes Installation endlich nach Hamburg geholt zu haben, denn er hat lange gesucht, um eine so große Halle zu finden, die das White Bouncy Castle fassen kann. Er beschreibt Forsythe als einen Ausnahmechoreografen, der sich ständig neu erfinde und über die eigenen Grenzen hinwegschaue. Und so hat es Forsythe geschafft, eine Installation an der Schnittstelle von Kunst und Tanz zu schaffen, die beweist, dass die Distanz zwischen beidem überbrückbar ist.

"White Bouncy Castle" - Installation von William Forsythe, Dana Casperson und Joel Ryan

Termin: bis 12. September, Deichtorhallen Hamburg
http://www.deichtorhallen.de/662.html

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