Who Knows Tomorrow - Staatliche Museen zu Berlin

Schwarzes Gestern

Fünf afrikanische Künstler erinnern aufmerksamkeitsheischend in der Alten und Neuen Nationalgalerie, in der Friedrichswerderschen Kirche und im Hamburger Bahnhof an die Kolonialgeschichte Berlins.

Trotz des großen Afrika-Engagements von Ex-Bundespräsident und Ausstellungsschirmherr Horst Köhler sind die mannigfaltigen geschichtlichen Verwicklungen zwischen Deutschland und dem Schwarzen Kontinent noch immer nahezu unbeachtet. Nur selten etwa wird die Rolle Berlins in der Kolonialgeschichte thematisiert.

Wer weiß schon, dass hier am 26. Februar 1885 auf Initiative des Reichskanzlers Otto von Bismarck die sogenannte "Kongo-Akte" verabschiedet wurde – eine völkerrechtliche Anerkennung von Kolonialbesitz, die die kolonialistische Aufteilung Afrikas beschleunigte. Insofern mutet der Titel dieser von der Nationalgalerie organisierten Ausstellung, "Who Knows Tomorrow", seltsam widersprüchlich an: Warum über das Morgen grübeln, wenn schon das Gestern unterbelichtet geblieben ist?

Projekte suchen nach fehlender Verankerung

Das Gewicht der Geschichte haben Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann und seine beiden Co-Kuratoren Chika Okeke-Agulu und Britta Schmitz zum größtenTeil in einen kiloschweren Text- und Interviewband fließen lassen. Die Schau selbst, für die mit El Anatsui, Zarina Bhimji, António Ole, Yinka Shonibare MBE und Pascale Marthine Tayou fünf aus Afrika stammende Künstler zu teilweise großformatigen Projekten im öffentlichen Raum eingeladen wurden, scheint um ein unsichtbares Gravitätszentrum zu kreisen.

Eine riesige Containerwand vom in Luanda lebenden Ole vor dem Seitenflügel des Hamburger Bahnhofs, eine offiziell anmutende afrikanische Flaggenparade vor der Neuen Nationalgalerie des in Belgien arbeitenden Kameruners Tayou oder die fast zu treffsicher platzierte Inneninstallation zur Berliner Kongo-Konferenz vom in London lebenden Shonibare in der Friedrichswerderschen Kirche: Die aufmerksamkeitsheischenden Projekte scheinen nach einer Verankerung zu suchen, die in den Häusern der Staatlichen Museen nicht zu finden ist.

"Who Knows Tomorrow"

Termin: bis 26. September, Alte Nationalgalerie, Friedrichswerdersche Kirche, Neue Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, Berlin. Der umfangreiche Begleitband ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet in den Staatlichen Museen zu Berlin 30 Euro, im Buchhandel 48 Euro
http://www.smb.museum/smb/wkt/index.php?lang=de

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