Abstraktion in Lateinamerika - Berlin / Bonn

Aufbruch in die Moderne

Ausstellungen in der Berliner Akademie der Künste und der Bonner Bundeskunsthalle widmen sich der Abstraktion in Lateinamerika.

Mit der Wiederentdeckung der Werke der Malerin und Installationskünstlerin Lygia Clark (1920 bis 1988) und des Bildhauers und Performance-Künstlers Hélio Oiticica (1937 bis 1980) in den neunziger Jahren rückte die brasilianische Avantgarde der Nachkriegsära wieder stärker in der Fokus des internationalen Kunstbetriebs.

Die gesellschaftliche Aufbruchstimmung, die das Land in den fünfziger und sechziger Jahren erfasst hatte, schlug sich nicht nur in der kühnen Architektur und futuristischen Brasília-Stadtplanung eines Oscar Niemeyer, der minimalistisch-fließen­den Landschaftsarchitektur eines Roberto Burle-Marx oder den coolen Bossa-Nova-Rhythmen von João Gilberto nieder – sie hinterließ auch ihre Spuren in der bildenden Kunst.

Vor allem die Vertreter des Neoconcretismo, zu dem man Oiticica und Clark hinzurechnen kann, huldigten der Moderne. Mit geometrischen Abstraktionen in Malerei, Grafik und Installation fügten sie der globalen Erfolgsgeschichte des Modernismus ein eigenständiges brasilianisches Kapitel hinzu. Mit der gemeinsam von Luiz Camillo Osorio (Museu de Arte Moderna in Rio de Janeiro) und Robert Kudielka kuratierten Ausstellung in Berlin, die unter anderem Werke von Lygia Pape, Ivan Serpa, Aloísio Carvão, Amílcar de Castro und Franz Weissmann präsentiert, soll erstmals die Gelegenheit für einen umfassenden Überblick über die brasilianische Avantgarde der Nachkriegszeit in Kunst, Architektur und Design geboten werden.

In einer Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle werden unter dem Titel "Vibración. Moderne Kunst aus Lateinamerika" die abstrakten Strömungen des 20. Jahrhunderts in ganz Lateinamerika zum Thema gemacht. In der von Juan Ledezma zusammengestellten Schau aus Beständen der in Miami beheimateten Ella Fontanals-Cisneros Collection werden über 200 Werke der Malerei, Skulptur, Fotografie und Zeichnung in Bonn gezeigt, darunter Arbeiten des in Argentinien geborenen Lucio Fontana, des Uruguayers Joaquín Torres-García oder des venezolani­schen Op-Art-Künstlers Jesús Rafael Soto. Sie stehen für eine moderne Tradition Lateinamerikas, jenseits jeder magischen Exotismen.

"Neoconcretismo aus Brasilien" & "Abstraktion aus Lateinamerika"

Termine: "Neoconcretismo aus Brasilien", 3. September bis 7. November 2010, Akademie der Künste, Berlin; "Abstraktion aus Lateinamerika", 17. September bis 30. Januar 2011, Bundeskunsthalle Bonn. Der Berliner Katalog kostet 35 Euro, der Bonner Ausstellungsführer 7,90 Euro
http://www.adk.de/

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