Amazonen - Historisches Museum der Pfalz

Frauen unter Waffen

Als Volk haben die Amazonen nie existiert – aber der Mythos hat durchaus reale geschichtliche Wurzeln, belegt eine Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.

Starke Frauen haben die Männer seit Menschengedenken erschreckt und fasziniert zugleich. Wenn sie dann auch noch schön, stolz, unabhängig und bis an die Zähne bewaffnet sind, dann werden sie schnell zum Mythos. Im Falle der berühmt-berüchtigten Amazonen hat dieser Mythos bis heute Bestand – seit etwa 3000 Jahren. Schon der Dichter Homer berichtete im 8. Jahrhundert vor Christus von diesem legendären, ebenso schönen wie grausamen Frauenvolk.

Die Amazonen, so will es die Legende, bildeten einen eigenen Staat, Männer wurden nur gelegentlich zu Zeugungszwecken benutzt – was ist dran an diesem Mythos? Das Historische Museum der Pfalz in Speyer sucht eine Antwort und präsentiert in der Ausstellung "Amazonen – Geheimnisvolle Kriegerinnen" Belege dafür, wie dieser er entstanden ist. Denn ein Volk der Amazonen hat zwar nie existiert, wohl aber Frauen, die in kriegerischen Konflikten der Antike ihren Mann gestanden haben. Grabfunde in den eurasischen Steppen beweisen die Existenz von berittenen Kriegerinnen – in Frauengräbern finden sich nicht nur die üblichen femininen Beigaben wie Schmuck und Haushaltsgeräte, sondern auch Lanzen, Wurfsteine, Spieße und Schwerter.

Es gab weibliche Skelette mit Kriegsverletzungen, die zudem Spuren von jahrelangem Reiten tragen. In Speyer ist etwa der Schädel einer Frau zu sehen, der Schlagspuren eines Streitpickels trägt. Solch eine Waffe wurde auch im Grab einer Kriegerin in Sibirien gefunden. Reich verziertes Zaumzeug, das Pferdeskelette trugen, die zusammen mit einer Kriegerin bestattet wurden gehören ebenso dazu wie das Skelett einer Kriegerin, die mit ihren Waffen bestattet worden war. Und auf einer Vase (um 470 vor Christus) ist detailliert geschildert, wie phygische Soldatinnen mit griechischen Soldaden kämpfen.

Ein gewichtiger Teil der Ausstellung zeigt, wie der Amazonen-Mythos Künstler über die Jahrhunderte hinweg inspiriert hat. Um 160 vor Christus entstand etwa die römische Kopie einer griechischen Plastik, die die Amazonenführerin Penthesilea mit dem legendären Helden Achilles zeigt – nur noch der Kopf der Penthesilea ist erhalten und wird in Speyer ausgestellt. Aus jüngerer Zeit stammt etwa eine bronzene "Amazone zu Pferd" (1841) von August Karl Eduard Kiess, eine "Amazonenschlacht" (1856/57) von Anselm Feuerbach, eine "Speerschleudernde Amazone" (vor 1906) von Franz von Stuck sowie eine "Amazonenschlacht" (1931) von Max Slevogt.

"Amazonen – Geheimnisvolle Kriegerinnen"

Termin: bis 13. Februar 2011, Historisches Museum der Pfalz Speyer
http://www.museum.speyer.de/Deutsch/Sonderausstellungen/Amazonen.htm

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