Ahmet Ögüt - Leipzig

Terror in poetischen Bildern

Überblicksausstellung des türkischen Medienkünstlers Ahmet Ögüt in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst.
Terror in poetischen Bildern:Ausstellung des türkischen Medienkünstlers

Ahmet Ögüt: "Perfect Lovers", 2008

Nächtlicher Stromausfall in Istanbul. Vor einer Souterrainwohnung parkt ein herrenloses Motorrad, der Motor läuft, der Scheinwerfer strahlt ins offene Fenster. Neugierig blicken wir mit der Kamera ins Innere, wo sich ein Mann im Lichtkegel frisieren lässt.

Diese Szene hat Ahmet Ögüt in seiner Heimat beobachtet und als Performance nachgestellt, Titel: "Another Perfect Day". Bizarre Selbsthilfestrategien und paradoxe Überlebenstricks gehören zum Themenrepertoire des 1981 geborenen Künstlers. Aktuell erhielt er in Leipzig den Kunstpreis "Europas Zukunft" und eine Überblicksausstellung in der dortigen Galerie für Zeitgenössische Kunst.

Ögüt, der heute in Amsterdam und Istanbul lebt, gehört zu den gefragtesten Künstlern seiner Generation. Das beweisen auch seine Auftritte bei der 5. Berlin-Biennale oder bei der Biennale in Venedig. Dort erregte 2009 seine Installation "Exploded City" einiges Aufsehen. In dieser so farbenfrohen wie abgründigen Modellstadt vereinte er weltweite Schauplätze von Krieg und Gewalt: die im Krieg zerstörte Brücke im bosnischen Mostar, das von Terroristen überfallene Hotel im indischen Mumbai, den Madrider Vorortzug, den muslimi­sche Terroristen 2004 gesprengt hatten oder die Schule in Beslan, die im selben Jahr von einem tschetschenischen Kommando überfallen wurde. Als Kommentator aus dem
Off wählte Ögüt den Weltreisenden Marco Polo, den er vom 13. Jahrhundert auf Zeitreise in diese Stadt der Zukunft geschickt hat – die unsere Gegenwart ist. Ahmet Ögüt schreckt nicht vor kritischen Botschaften zurück, verpackt sie jedoch in poetische und tragikomische Bilder.

In Leipzig erzählt er mit "Perfect Lovers" von der bislang unglücklichen Liebe zwischen seinem Heimatland und der Europäi­schen Union. Eine Zwei-Euro-Münze und eine türkische Lira sind äußerlich und im Gewicht fast identisch, dabei ist die Lira nur 50 Cent wert. Bis man sie aus dem Verkehr zog, diente sie Türken zur gewitzten Geldvermehrung an Kleingeldautomaten der Eurozone. Für die Leipziger Besucher bastelt Ögüt zudem ein neues interaktives Puzzle. Er verspricht einen explosiven Mix aus spiele­rischer Unterhaltung und politischen Überraschungseffekten.

"Ahmet Ögüt"

Termin: 11. September bis 14. November, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig
http://www.gfzk-online.de/

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