Hajo Rose - Bauhaus-Archiv Berlin

Der vergessene Bauhäusler

Eine Retrospektive anässlich des 100. Geburtstags von Hajo Rose im Bauhaus-Archiv in Berlin.

Mit der Leica verband den Dessauer Bauhaus-Schüler Hajo Rose (1910 bis 1989) ein besonderes Verhältnis: "Diese Kamera war damals ähnlich vollkommen wie unser Bauhaus, lag so vorzüglich in den Händen, war so leicht, wie es sich für ein Präzisionswerkzeug gehörte. Sie erlaubte mir, von der reproduktiven zur produktiven Fotografie umzusteigen."

1930 war der gebürtige Mannheimer (1910 bis 1989) nach einem Jahr an der Königsberger Kunstgewerbeschule nach Dessau gekommen, um hier an der berühmten, von Walter Gropius gegründeten Bauhaus-Schule die neuartige Verbindung von Leben, Gestaltung, Ethik und Ästhetik zu erlernen. Das von Gropius errichtete Schulgebäude in Dessau-Roßlau war für ihn das handfeste Ideal, der Beweis, dass es möglich war, die Kombination von Kunst und Technik zu ungeahnter Qualität zu bringen: "Es schimmerte von weitem wie ein Kristall; mit seinen vielfältigen Oberflächen, mit seiner ratio­nalen Rechtwinkligkeit und weißen Sauberkeit überzeugte es uns sofort von der Klarheit und Transparenz des Geistes, der in diesem Haus herrschte."

Wie ein Schwamm sog der junge Mann die gestalterischen Ideale und Methoden des Bauhauses auf. Als einer der letzten Diplomanten vor der endgültigen Schließung trug er sie fortan weiter: als Lehrer an der Amsterdamer "Nieuwe Kunstschool" (1934 bis 1940), nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1949 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und zwischen 1952 und 1959 an der Fachschule für angewandte Kunst in Leipzig sowie als freischaffender Künstler, Gestalter und Fotograf.

Unter dem Titel "Bauhaus Foto Typo" richtet das Berliner Bauhaus-Archiv mit rund 80 Arbeiten aus den Bereichen Fotografie und Typografie nun dem nahezu vergessenen Bauhäusler anlässlich seines 100. Geburtstags eine erste umfassende Retro­spek­tive aus. Obwohl sich die von Kuratorin Ulrike Staroste zusammengetragene Schau vor allem auf die Dessauer und Amsterdamer Jahre konzentriert, wird auch die widersprüchliche Geschichte der Bauhaus-Rezeption in der DDR deutlich. Bis Mitte der siebziger Jahre wurde die Schule als "formalistisch" diffamiert, bevor die SED die einst ungeliebte Avantgarde in das "natio­nale Kulturerbe" integrierte.

"Hajo Rose: Arbeiten aus den Bereichen Fotografie und Typografie"

Termin: 15. September bis 8. November 2010, Bauhaus-Archiv, Berlin. Der Katalog kostet 10 Euro.
http://www.bauhaus.de/aktuelles/ausstellungen.html

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