Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: nackte Männer, tolle Stühle, Kunst aus Wien an der Elbe, Merkel bei Kiefer und unkonventionelle Fotografie

Berlin: Thorsten Brinkmann – Studiomove

Georg Kolbe hat einen Untermieter bekommen. In das Atelierhaus des berühmten deutschen Bildhauers im Berliner Westend ist Thorsten Brinkmann mit Sack und Pack eingezogen.

Der Hamburger Künstler, der für fotografische Selbstinszenierungen mit Sperrmüllresten und Altkleiderstücken bekannt ist, hat sein Studio zeitweilig ins Georg-Kolbe-Museum verlegt. In den heiligen Hallen, in denen Kolbe (1877 bis 1947) einst an seinen Plastiken des idealen Menschen arbeitete, hat Brinkmann nun Holzvertäfelungen und schlierige Tapeten angebracht, es trürmen sich verschrammte Schrankwandelemente und eine plüschige Couch lädt zum Loungen ein. Dazwischen hat der Künstler absurde Ready-Made-Skulpturen und humorvolle Verkleidungsporträts plaziert. Zentrales Stück der Ausstellung ist ein Ensemble aus deckenhohen Regalen, in denen Brinkmann all seine Fundstücke aus Second-Hand-Läden und Flohmärkten sorgfältig sortiert aufbewahrt. Der Gesamteindruck oszilliert zwischen Dada und Slapstick, Hugo Ball meets Monty Python. Die Schau ist Brinkmanns erste Einzelausstellung in einer deutschen Institution. (19. September bis 21. November)

Hamburg: "Ideen sitzen. 50 Jahre Stuhldesign"

Ein Stuhl ist ein banales Ding mit vier Beinen, auf dem man sitzen kann. Auch – aber nicht nur. Dass man am Beispiel des Sitzmöbels 50 Jahre Kunst- und Designgeschichte festmachen kann, beweist jetzt eindrucksvoll eine Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe: "Ideen sitzen. 50 Jahre Stuhldesign" heißt die Schau, in der Stühle, Sessel, Chaiselongues und Hocker aus dem Fundus des Hauses ans Licht geholt werden, die, wie es heißt, "verschiedenste gestalterische Ansätze und Motivationen aus fünf bewegten Jahrzehnten" repräsentieren. Zu den Klassikern aus den frühen Sixties gehört der elegant geschwungene "Panton Chair" von Verner Panton. Der pompöse "Poltrona di Proust" von Alessandro Mendini steht für die Siebziger, Ron Arads "Well Tempered Chair" entstand 1986, Marc Newsons "Wooden Chair" um 1995. Im neuen Jahrtausend gibt es dann so kühne Entwürfe den "Corallo" von Fernando und Humberto Campana oder "Vegetal Chair" von Ronan und Erwan Bourellec. Die Grenze zwischen Kunst und Design verschmilzt endgültig bei Stefan Wewerka: Sein "Classroom Chair" (1970) ist reine Skulptur und zum Sitzen nicht geeignet.

Tübingen: Rainer Fetting "Manscapes"

Nein, Willy Brandt als Nackedei werden Sie auch in der Kunsthalle Tübingen nicht zu sehen bekommen! Obwohl eine Bronzefigur des Altkanzlers, die der einstige "Junge Wilde" Rainer Fetting 1996 geformt hatte, in seiner Ausstellung "Manscapes" zu sehen ist. Und die versteht die Kunsthalle ausdrücklich als männliches "Gegenstück" zu ihrer Mel-Ramos-Retrospektive, in der "der weibliche Akt Thema" war. Seit Fetting Ende der siebziger Jahre als Mitbegründer der "wilden" Malerei die Szene betrat, hat er den männlichen Akt zu einem Hauptthema erkoren. Die Ausstellung feiert "sein Verdienst, die verschiedenen Facetten männlicher Erotik und Identität ins Bild gesetzt zu haben: das klassische Sujet des badenden Jünglings, den tragischen Filmhelden, den sanften Mann mit Blumenstrauß, den gefährlichen Gangster, das küssende Paar oder Selbstbildnisse, mal in Cowboy-Manier, mal in Fummel." (Kunsthalle Tübingen, 2. Oktober bis 5. Dezember)

Stade: "Painters on the run – Malklasse Daniel Richter"

Stade, die kleine Stadt an der Elbmündung (Werbeslogan: "Frischer Wind im Norden") bekommt jetzt frischen Wind aus dem Süden – genauer: aus Wien. Denn der Maler und Professor Daniel Richter rückt mit drei seiner Malschüler von der Akademie der bildenden Künste Wien an. Im Kunsthaus Stade stellt er seine Schützlinge im Vorfeld mit markigen Worten vor: "Humorig, selbstironisch und intelligent!" – "Stark reflektiert und tastend, Subversion in ein Werk überführt!" "Was ich kann, können die schon lange!", so der Akademielehrer über die Arbeiten von Kalu Obasi, Anne Cathrin Ulikowski und Nazim Ünal Yilmaz. Deren Werke sind dann in der Ausstellung "Painters on the run – Malklasse Daniel Richter" zu sehen. Kalu Obasi, 1983 in Nigeria geboren, behandelt in seinen Arbeiten gesellschaftliche Missverhältnisse. Die 1980 in Hamburg geborene Anne Cathrin Ulikowski verarbeitet Alltagserfahrungen aus dem urbanen Umfeld. Nazim Ünal Yilmaz wurde 1981 in der Türkei geboren. In seinem Werk beschäftigt er sich mit seinem Heimatland, den Konflikten zwischen Staat, Religion und Sexualität. (5. Oktober bis 9. Januar 2011)

Potsdam: Anselm Kiefer "Europa"

Der Atomvertrag ist unter Dach und Fach, die Erhöhung von Hartz IV wird die Staatsfinanzen nicht ruinieren – da kann Kanzlerin Angela Merkel sich getrost den schönen Dingen des Lebens zuwenden. Zum Beispiel einer Ausstellungseröffnung. Der Künstler: einer der ganz Großen Deutschlands, Anselm Kiefer. Der Ort: die Villa Schöningen – die liegt an der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam, wo im kalten Krieg vor den Kameras der Weltöffentlichkeit Agenten ausgetauscht wurden. Die Vernissage der Ausstellung mit Kanzlerbeteiligung findet am 1. Oktober statt, der normale Kunstinteressierte kann die Schau vom 2. Oktober bis zum 31. Januar 2011 besichtigen. In der eindrucksvollen Ausstellung sind neun großformatige Bilder von Kiefer sowie sechs vom Künstler gestaltete
Bücher zu sehen, die in den Jahren von 1994 bis 2010 entstanden sind. Der Künstler zeigt erstmals öffentlich
eine Werkreihe, die ganz dem Motiv der Kuh gewidmet ist. Für die Schau mit dem Titel "Europa" ist Heiner Bastian verantwortlich. Siie ist eine Gemeinschaftsproduktion mit gemeinsamen Projekt mit der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn