Canaletto, Gauguin, Monet, Picasso - Malerei-Ausstellungen

Endlich Herbst!

Die Sommerpause ist vorbei, im Herbst werden fünf grandiose Malerei-Ausstellungen wieder Hunderttausende Besucher anlocken. Das Spektrum reicht vom Barockmeister Canaletto und dem Postimpressionisten Paul Gauguin in London über den Impressionisten Claude Monet in Paris bis zu Pablo Picasso in Wien und Zürich. art stellt die publikumsträchtigen Ausstellungen vor – und wünscht: Kein Regen in der Schlange!

Der Venezianer: Venice – Canaletto and His Rivals

Was hatten es die Reisenden des 18. Jahrhunderts doch gut – sie brauchten nicht, wie der Venedig-Tourist von heute, auf kitschige Masken, den Campanile in Plastik gegossen oder eine Gondel in einer Schneekugel zurückgreifen, wenn sie eine Erinnerung mit nach Hause nehmen wollten. Ihre Souvenirs waren Bilder, die heute in den besten Museen der Welt hängen – Vedu­ten venezianischer Künstler, allen voran Giovanni Antonio Canal (1697 bis 1768), genannt Canaletto.

Auf einer Reise nach Rom entdeckte er seine Vorliebe für die Vedutenmalerei. In Venedig trieb er dann dieses Genre zu seiner Hochblüte – in seinen Ansichten verband Canaletto einen präzisen Realismus mit atmosphärischer Darstellung von Licht, dem Dunst über dem Wasser und den schimmernden Reflexen in der Lagune. Eine Ausstellung in der National Gallery mit 50 großartigen Werken zeigt im Schwerpunkt seine Gemälde, aber auch die von Vorgängern wie Gaspare Vanvitelli (1653 bis 1736) oder von Konkurrenten wie Luca Carlevaris (1663 bis 1729( oder Miche­le Marieschi (1710 bis 1743). Die Ausstellung endet mit Francesco Guardi (1712 bis 1793), Canalettos letztem Rivalen, der ihn um 25 Jahre überlebte und mit dessen grandiosem Werk die venezianische Vedutenmalerei zu Ende ging.

Vom 13.Oktober bis 16. Januar 2011 in der National Gallery in London

Der Sucher: Gaugin – Maker of Myth

Paul Gauguin – da denkt doch jeder gleich an tahitianische Schönheiten, die sich, von farbigen Orchideen umrankt, an tropi­schen Stränden räkeln. Dass dieses Image nur einen ganz kleinen Teil in Leben und Werk des französischen Postimpressionisten (1848 bis 1903) ausmacht, will die Tate Modern jetzt mit der größten Gauguin-Ausstellung in England seit 50 Jahren beweisen. Das Kura­torenteam möchte dem Betrachter des 21. Jahrhunderts einen "frischen und über­wäl­tigen­den Blick auf diesen Meister der modernen Kunst" ermöglichen und holte dafür über 100 Werke aus allen Phasen zusammen. Gauguin war stets auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Er suchte dies erst bei der einfachen Bevölkerung in der Bretagne, später meinte er es in der längst von der Zivilisation heimgesuchten Inselwelt der Südsee gefunden zu haben. Künstlerisch zunächst vom Impressionismus beeinflusst, ging er unter dem Eindruck von Paul Cézanne zu klareren, einfacheren Farben über, die er dann stärker konturierte und so zu einer Malerei kam, die stark an das traditionelle Emaille-Zelltrennverfahren (Cloisonné) erinnerte. Die Ausstellung vereint Bilder aus der Bretagne ebenso wie aus Tahiti, aber auch Selbstporträts des Malers, der darin oft eigene Werke im Hintergrund darstellte, etwa einen Gekreuzigten oder eine tahitianische Schönheit.

Vom 30. September bis 16.Januar 2011 in der Tate Modernin London

Der Erfinder: Picasso - Frieden und Freiheit

Ausstellungen des größten Malergenies im 20. Jahrhundert, Pablo Picasso, gibt es Jahr für Jahr. Um sich aus der Masse
hervorzuheben, muss eine Schau schon etwas Besonderes bieten – und das ist in Zürich und Wien gegeben. Das Kunsthaus Zürich war 1932 der Ort der ersten Museumsretrospektive von Picasso, die der Meister noch selbst arrangiert hatte. Diese Ausstellung hat nun Kurator Tobia Bezzola anhand von über 70 Spitzenwerken rekonstruiert: Neben Picassos kubistischem Werk werden auch Gemälde aus der blauen und der rosa Periode (frühes 20. Jahrhundert) sowie neoklassizistische (ab 1917) und surrealistische (ab 1923) Werke gezeigt.

Die Ausstellung "Picasso – Frieden und Freiheit!" in der Wiener Albertina zeigt in Kooperation mit der Tate Liverpool den Maler als Chronisten historischer, vor allem kriegerischer Ereignisse – sie beinhaltet düstere Gemälde wie das "Massaker in Korea", das "Beinhaus", Stillleben mit Stierschädeln und Totenköpfen, aber auch das Motiv der Friedenstaube, mit dem er die Friedensbewegung sowie die kommunistische Partei unterstützte.

Vom 22. September bis 16. Januar 2011 in der Albertina in Wien und vom 15. Oktober bis zum 30. Januar 2010 im Kunsthaus Zürich

Der Favorit: Claude Monet - die große Werkschau

Für einen Besucherrekord ist das Grand Palais in Paris allemal gut: Im vergangenen Jahr kamen 785 000 Besucher zur Picasso-Ausstellung, jetzt holt das Ausstellungsinstitut zum nächsten Schlag aus. Claude Monet, des weltweiten Publikums liebster Impressionist, steht mit einer gigantischen Ausstellung am Start und soll mindestens eine halbe Million Besucher anziehen – es ist die erste umfassende Retrospektive seit 30 Jahren mit 200 Gemälden.
Sie zeigt das ganze Spektrum des Wer-kes, das im Verlauf von rund 60 Jahren entstand. Früheste Arbeiten sind Seestücke aus der Normandie und von der Mittelmeerküste aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. In den siebziger Jahren entstanden Arbeiten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: das prachtvolle, sonnendurchflutete Mohnfeld bei Argenteuil und das eher düstere Bild der "Kohle-Entlader" – ein Zeugnis der aufblühenden Industrialisierung. Ikonen wie Monets Version des beliebten und durch das Gemälde von Edouard Manet berühmt gewordenen Motivs "Frühstück im Grünen", atmosphärische Ansichten der Kathedrale von Rouen oder der Houses of Parliament in London fehlen ebenso wenig wie die seriellen, bei verschiedenen Wetter- und Lichtverhältnissen gemalten Heuhaufen und, natürlich, seine späten Seerosen-Bilder.

Vom 22. September bis zum 24. Januar 2011 im Grand Palais in Paris