Adobe Museum of Digital Media - Virtuelles Museum

Mit beflügeltem Augapfel

Das Museum ist rund um die Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei – der US-amerikanische Software-Herrsteller Adobe eröffnet ein virtuelles Museum. Die erste Ausstellung in dem von Architekt Filippo Innocenti "Gebäude" bestreitet der New Yorker Videokünstler Tony Oursler.

Das New Yorker Guggenheim Museum hat sich für seine Kreativ-Video-Biennale mit YouTube, Computerhersteller Hewlett-Packard und Intel zusammengeschlossen. Der Internet-Serviceriese AOL lässt von Chuck Close seine neue Imagekampagne fotografieren. Die Technologiebranche sucht seit neuestem die Nähe zur Kunstwelt. Die Tatsache, dass Künstler gern mit dem Programm Photoshop arbeiten, um ihre Bilder zu manipulieren, hat nun auch den in Silicon Valley ansässigen Software-Spezialisten Adobe dazu bewogen, sich seinen Platz in der Kunst zu sichern. Heute, am 6. Oktober, eröffnet Adobe ein virtuelles Museum.

Das "Adobe Museum of Digital Media" (AMDM) hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Es braucht keine Museumswachen zu beschäftigen, die Türen stehen auch mitten in der Nacht offen. Der Eintritt ist kostenlos – und die ganze Welt ist zum Opening eingeladen. Der italienische Architekt Filippo Innocenti, der mit Zaha Hadid arbeitet, entwarf das virtuelle Museum und setzte es mit dem Kreativdirektorn Piero Frescobaldi um. Schließlich braucht man auch im virtuellen Raum Böden, auf denen Arbeiten positioniert werden können oder Wände, um die Kunst aufzuhängen. Das Museum besteht aus einer weißen, geschwungen Struktur, aus der an Tannenzapfen erinnernde Türme ragen. Damit sich die Besucher mit virtuellen Augen und Ohren durch die Ausstellungsräume bewegen können, entwickelte Adobe einen transparenten, beflügelten Augapfel. Bei der Entwicklung des Besucher-Auges ließ sich das Team von Quallen und Blumen inspirieren. In den Türmen soll ein Archiv der Ausstellungen angelegt werden, auf das die Besucher jederzeit und unbegrenzten Zugriff haben.

Eröffnet wird mit einer Ausstellung von Tony Oursler. Anschließend sind Shows mit dem Computerwissenschaftler und Designer John Maeda und der japanischen Künstlerin Mariko Mori geplant. Der New Yorker Video- und Installationskünstler Oursler, der mit seinen Videoprojektionen leblose Gegenstände und Puppen zum Leben erweckt und stets nach der Seele in der Maschine zu suchen scheint, versucht in "The Uncanny Valley" die Beziehung zwischen Mensch und Internet zu ergründen. Oursler interessiert, wie sich das Bewusstsein verändert, sobald es losgelöst von allen Beschränkungen der physischen Welt agieren kann und wie die neuen Technologien die Menschheit verändern werden. Der Kurator Tom Eccles wird von Zeit zu Zeit in digitaler Form im Museum auftauchen, um seine Theorien über das World Wide Web zu unterbreiten. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Arbeit des japanischen Roboteringenieurs Masahiro Mori. Er erforschte in den siebziger Jahren, dass Menschen positiv auf Roboter reagieren, die ihnen ähnlich sehen. Sobald die Maschinen jedoch zu menschlich wurden, kippte die Begeisterung in Abscheu um.

"The Uncanny Valley"

Termin: bis Dezember 2010 im Adobe Museum Of Digital Media
http://www.adobemuseum.com