Poul Gernes - Hamburg

Farbenfroh und Spaß dabei

Der dänische Maler ist immer noch ein Geheimtipp. Nun präsentieren die Hamburger Deichtorhallen 400 Werke des Documenta-Teilnehmers in einer Retrospektive.

Es ist wohl keine Beleidigung, das Werk des Dänen Poul Gernes (1925 bis 1996) einfach mit nur einem Wort zu charakterisieren: farbenfroh. Allein schon deshalb ist es eine gute Wahl, die bisher größte Gernes-Werkschau im Herbst, wenn voraussichtlich Grau den Hamburger Himmel dominieren wird, in die Deichtorhallen einziehen zu lassen.

"Die Ausstellung soll ihn in ein neues Licht rücken", sagt Dirk Luckow, Intendant des Hauses und Kurator der Ausstellung, "und einem breiteren Publikum ermöglichen, ihn zu entdecken." Denn obwohl er auf der Documenta 2007 ausgestellt wurde, sei Gernes ein Geheimtipp geblieben, der immerhin einigen Künstlern Vorbild ist.

Tobias Rehberger und Cosima von Bonin nennt Luckow als zwei der Zeitgenossen, die sich von Gernes haben beeinflussen lassen. Die Parallele zu Rehberger wird besonders deutlich, wenn Gernes’ Arbeit als Dekorateur und Innenarchitekt betrachtet wird. Er bemalte diverse öffentliche Gebäude in Dänemark und gestaltete auch Möbel, bis hin zum bunten Toilettensitz. Viele von Gernes’ Arbeiten zeichnen sich durch wenige, großflächig aufgetragene Farben aus, einzelne Formen wie Kreise und Quadrate dominieren. Die Hamburger Ausstellung zeigt über 400 Exponate, darunter gleich mehrere von Gernes’ bekannten Zielscheibengemälden – ein Kreis, der von unterschiedlich breiten Ringen in diversen Farben umrahmt wird. Ähnlich ins Auge fallen die Flaggen, wo an eine Fahnenstange gehängter rechteckiger Stoff die klassische Leinwand im Rahmen ersetzt.

Gernes’ Arbeiten zeigen, dass Kunst Spaß machen darf, aber dabei Kunst bleiben kann. "Dem Dänen war stets wichtig, dass seine Arbeiten nicht nur L’art pour l’art sind, sondern auch eine soziale Funktion erfüllen", so Luckow. Farben und Formen sollten die Lebensqualität der Betrachter erhöhen. Per Diashow wird ein Überblick über die Arbeit der – wie er selber zu sagen pflegte – "Malerfirma Gernes" gegeben. Viel imponierender ist natürlich, die von ihm gemeinsam mit der Familie "ausgeschmückten" Krankenhäuser und anderen öffentlichen Gebäude in seiner Heimat Dänemark vor Ort anzuschauen. Mitten in Kopenhagen findet sich allerdings auch ein von Gernes schreiend bunt angemalter Bau, der zeigt, wie schnell seine Ideen kippen können: Weil ein Kino in dem Gebäude residiert, konkurrieren Gernes’ Farben dort mit wechselnden Filmplakaten. Was einmal Farbe in die triste Ecke des Stadtzentrums bringen sollte, wirkt nun nur noch wie die Hochburg einer platten Vergnügungsindustrie.

Poul Gernes - Retrospektive

Termin: 8.10.–16.1.2011, Deichtorhallen, Deichtorstr. 1-2, 20095 Hamburg, U-Bahn-Station: Steinstrasse, Öffnungszeiten: Di - So 11 bis 18 Uhr, Do 11 bis 21 Uhr, montags geschlossen, Eintritt: 9 €, ermäßigt 6 €

http://www.deichtorhallen.de

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