Henriette Grindat - Berlin

Von der Materialität der Dinge

Die Schweizer Fotografin Henriette Grindat, die die Mittelmeerländer liebte und dem Surralismus nahe stand, hat ihre erste Einzelausstellung in Deutschland im Verborgenen Museum Berlin.
Die Unbekannte:Die Fotografin soll auch in Deutschland populär werden

Henriette Grindat: "Selbstporträt", 1961

Die Zigarette steckt lässig zwischen den Lippen, die Kamera ist startklar – Henriette Grindat (1923 bis 1986) macht den Eindruck einer selbstbewussten, modernen Frau. Sie gehörte zu den stilbildenden Fotografen und Fotografinnen in der Schweiz, nun soll ihr Werk auch in Deutschland die verdiente Popularität erlangen: Das Verborgene Museum in Berlin richtet ihr die erste Einzelausstellung hierzulande aus.

Der Titel "Méditerranées" deutet schon an, was Henriette Grindats zentrales Thema war, das sie immer wieder aufgegriffen hat: die Mittelmeerländer wie Spanien, Italien (hier vor allem Venedig), Ägypten oder Algerien. Ihre Fotografien sind dabei nie rein dokumentarische Aufnahmen dieser Länder und ihrer Bewohner, sondern künden von Grindats zweiter Leidenschaft, dem Surrealismus.

1923 in Lausanne geboren, besuchte Henriette Grindat von 1943 bis 1946 die "Ecole de photographie de Suisse romande" der Porträt-, Theater- und Experimental-Fotografin Gertrude Fehr. Die begeisterte Grindat für den experimentellen Umgang mit der Kamera und brachte ihr die Literatur und die Bildwelten der französischen Surrealisten nahe. In Paris lernte Grindat den Dichter und Surrealismus-Theoretiker André Breton, den Fotografen Brassaï und den Schriftsteller Albert Camus kennen. Zu dieser Zeit entstanden Fotomontagen, Collagen, Fotogramme und Mehrfachbelichtungen, die den Einfluss des Surrealismus verraten.

In den fünfziger Jahren entdeckte sie dann die Mittelmeerländer für sich. Sie interessierte sich vor allem für die Materialität dessen, was sie dort sah: "Nasse Sandbänke wirken bei Grindat wie grobporige Hautoberflächen, Häuserkonturen werden – im Wasser gespiegelt – zu wabernden Gebilden, Moscheen mutieren im gleißenden Licht zu scharfkantigen geometrischen Elementen", schrieb die "Basler Zeitung" zur ersten Station der Ausstellung in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur, die auch Grindats Nachlass verwaltet.

Henriette Grindat: "Méditerranées – Fotografien 1947 bis 1965"

Termin: 22. Oktober bis 30. Januar 2011. Katalog: Fotostiftung Schweiz, 20 Euro
http://www.dasverborgenemuseum.de/