Gabriel von Max - München

Madonna mit dem Affenkind

Eine Affenherde als Bildvorlage und Ersatzfamilie: Das Münchner Lenbachhaus widmet dem Künstler und Anthropologen Gabriel von Max in Zusammenarbeit mit den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen die Ausstellung "Malerstar, Darwinist, Spiritist", die neben Malerei auch Fotos seiner rund 60 000 Objekte umfassenden Sammlung zoologischer, ethnografischer und prähistorischer Funde zeigt.

Frauen und Affen waren seine Lieblingssujets. Beide trugen Gabriel von Max zu Lebzeiten die Gunst eines breiten Publikums ein. Doch der gefeierte Salonmaler und Anthropologe, der 1840 in Prag geboren wurde und 1915 in München starb, scherte sich nicht um das Urteil der Masse, sondern lebte und arbeitete in München und Ambach am Starnberger See in misanthropischer Abgeschiedenheit.

Gesellschaft leistete ihm dabei eine Affenherde, die Max sich zu Studienzwecken, als Bildvorlage und wohl auch als Ersatzfamilie herangezüchtet hatte. Neben der Affenzucht legte er sich in seinem Wohnhaus eine rund 60 000 Objekte umfassende Sammlung zoologischer, ethnografischer und prähistorischer Funde an, in der sich neben 500 Tier- und Menschenschädeln auch das komplette Skelett eines indischen Elefanten und der in Formalin eingelegte Kopf eines siamesischen Zwillings befanden. Das Münchner Lenbachhaus richtet nun in Zusammenarbeit mit den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen Max’ vielfältigen Betätigungsfeldern eine Ausstellung aus, die unter dem Titel "Malerstar, Darwinist, Spiritist" unter anderem fotografische Innenansichten seines Hauses zeigt, in dem sich die Schädel, dicht an dicht in Regale sortiert, bis unter die Decke reihten.

Aus Seattle konnte man das Gemälde "Christliche Märtyrerin" (um 1867) entleihen, mit dem sich Max einen Namen als Maler von Visionen verzückter, auf andere Art entrückter, bieder-erotischer Frauen machte: Neben der ergeben ans Kreuz Genagelten hatte der Historienmaler auch Darstellungen einer ekstatischen Jungfrau, mehrerer Nonnen, einer Seherin, Maria Magdalena, einer erwürgten Heiligen Ludmilla und der auf dem Scheiterhaufen brennenden Johanna von Orleans im Repertoire. Sein Interesse an vernunftenthobenen Entgrenzungszuständen verband ihn mit anderen Spiritisten seiner Zeit; so war er Gründungsmitglied einer theosophischen Gesellschaft namens "Loge Germania". Als Darwinist nahm Max eine kulturpessimistische Haltung ein, die dem evolutionären Aufstieg der Intelligenzbestie Mensch mit Skepsis begegnete.

Während er allerdings die Frauen auf seinen Gemälden in irrationaler Selbstvergessenheit inszeniert, werden die später entstandenen Affen zu Kulturwesen avant la lettre stilisiert: Max lässt sie die menschliche Anatomie und handgeschriebene Notizen studieren; unter suggestiven Bildtiteln wie "Atelierbesuch" (ohne Jahr) und "Affen als Kunstrichter" (1889) finden sie sich zur gemeinsamen Kunstbetrachtung ein (Fotos zeigen, wie die posierenden echten Tiere mit Nagel und Faden fixiert wurden). Auf einem Selbstporträt von 1910 fallen die Vorlieben des Forschermalers für Frauen, Primaten und spirituelle Themen zusammen: Hier hat sich Max als 70-Jähriger mit einem Äffchen auf dem Arm im Stil eines klassischen Madonnenbildnisses dargestellt.

"Malerstar, Darwinist, Spiritist"

Termin: bis 30. Januar 2011, Lenbachhaus München
http://www.lenbachhaus.de