Jan Vermeer - Dresden

Hinein ins Bild

Eine scheue Berühmtheit, das "Brieflesende Mädchen am offenen Fenster" von Jan Vermeer (1632 bis 1675), ist in Dresden in Lebensgröße in der Gemäldegalerie Alte Meister zu bewundern – eine Installation zur Ausstellung "Der frühe Vermeer".

Alles ist vorhanden: der grüne Vorhang im Vordergrund, der schwere gemusterte Teppich auf dem Tisch, der metallbeschlagene Stuhl im Hintergrund, das geöffnete Fenster mit seinem sensationellen Lichteinfall – und das schöne blonde Mädchen in holländischer Bürgertracht als Figurine.

Im Rahmen des Forschungs- und Weiterbildungsprojekts "Das Prisma des Vermeer" haben Bühnenbildner, Kunststudenten und Museumsleute diese räumliche Version des Gemäldes konstruiert. Mit der Inszenierung lässt sich nachvollziehen, wie Jan Vermeer seine Perspektive anlegte, die Komposition verdichtete. Besucher der Dresdner Ausstellung "Der frühe Vermeer" können buchstäblich ins Bild gehen, aber auch das vor der Installation platzierte Original von 1659 betrachten. Das Werk wurde erstmals aus seinem überladenen Goldrahmen genommen und mit einem einfachen Schmuckrahmen versehen. So hätte es Jan Vermeer sicher gefallen.

In seinem kurzen Leben schuf der niederländische Meister nur wenige Dutzend Gemälde, von denen 37 erhalten sind. Zwei davon, das "Brieflesende Mädchen am offenen Fenster" sowie das Gemälde "Bei der Kupplerin" von 1656, befinden sich in der Dresdner Sammlung. Für die aktuelle Vermeer-Ausstellung wurden zwei weitere Arbeiten des Ausnahmemalers an die Elbe gebracht: die Frühwerke "Diana und ihre Gefährtinnen", um 1653/54; "Christus bei Maria und Martha" um 1654/55. Ihnen gegenübergestellt sind Bilder bedeutender zeitgenössischer Künstlerkollegen wie Jacob van Loo, Jan van Bijlert, Matteo Rosselli und Simon Peter Tilmann, denen das entwickelnde Genie Vermeer wichtige Anregungen verdankt.

"Der frühe Vermeer"

Termin: bis 28. November, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden
http://www.skd.museum/de/museen-institutionen/semperbau-mit-zwinger/gemaeldegalerie-alte-meister/index.html

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