Dorothee und Konrad Fischer - Kleve

Von Düsseldorf in die Welt

Das Museum Kurhaus Kleve widmet Konrad und Dorothee Fischer eine umfangreiche Ausstellung, in deren Zentrum die Sammlung des Galeristenehepaares steht

Der amerikanische Minimal-Art-Künstler Carl Andre baute 1996 aus Bleiwürfeln der Größe von zehn mal zehn Zentimetern sein Werk „Wolke & Kristall / Blei Leib Leid Lied“. 144 Würfel sind einmal auf kleinstmöglichem Platz zu einem Quadrat zusammengeschoben, einmal verteilen sie sich, wie auseinandergestoben, weit über den Ausstellungsraum.

Die Arbeit entstand nach dem Tod von Andres deutschem Galeristen Konrad Fischer. Fischer hatte, rund 30 Jahre zuvor, seine Galerie mit einem Werk von Andre eröffnet, den Künstler damit zugleich in Europa vorgestellt und ihm seither 20 Ausstellungen ausgerichtet. Unmöglich, in „Wolke & Kristall“ keine Hommage an Fischer zu sehen: Dem Galeristen stand anfangs nur ein winziger Raum zur Verfügung; von diesem aus aber streute er die jungen Disziplinen Konzeptkunst und Minimal Art über den ganzen Kontinent.

Das Museum Kurhaus Kleve widmet Konrad Fischer nun eine umfangreiche Ausstellung. In deren Zentrum steht die Sammlung, die der Galerist gemeinsam mit seiner Frau Dorothee über Jahrzehnte aufgebaut hat. Chronologisch beginnt die Schau allerdings mit Werken des jungen Künstlers Fischer, der von 1962 bis 1968 unter dem Nachnamen Lueg noch selber gemalt hatte – inspiriert durch die Pop Art, Textil- oder Tapetenmuster aufgreifend, meist mit leuchtenden Farben.

Ende 1967 begann er dann seine zweite, dauerhaftere Karriere. Fischer baute eine Hofeinfahrt in der Düsseldorfer Neubrückstraße zu einem Galerie-Quader um und machte daraus einen kleinen Kunstraum von internationaler Ausstrahlung. Neben Andre wurden etwa Sol LeWitt, Hanne Darboven, Richard Long oder Bruce Nauman via Düsseldorf bekannt oder hatten hier ihre ersten Ausstellungen auf dem Kontinent.

Long ist in Kleve mit einer spartanischen Installation parallel über den Galerieboden ausgelegter Weidenstöcke von 1968 vertreten. Sie bedeutete für den damals 23-Jährigen die erste Einzelausstellung überhaupt und trägt – in Dankbarkeit, muss man annehmen – den Titel „Skulptur für Konrad Fischer“. Die Arbeit wurde seinerzeit erfolgreich verkauft; erst Jahre später konnten die Fischers das Werk ihrerseits zurückkaufen. So doppelgleisig wuchs die Sammlung insgesamt: Manches schenkten die Künstler, manches fiel bei Ausstellungen ab, anderes musste man kostspielig „heimholen“. Fischer lag in der Regel mehr daran, die Werke seiner Künstler gut zu positionieren, als die eigene Sammlung zu vergrößern.

Wie gut er als Networker war, das dokumentiert ein weiterer Teil der Ausstellung. Denn Fischer sorgte gelegentlich auch als Kurator dafür (unter anderem bei der Documenta 5), dass seine Idee von zeitgenössischer Kunst Beachtung fand. Wie weit sein eigener Ruhm schließlich reichte, beweist allein die Vorgeschichte dieser Retrospektive: Sie kommt aus dem MACBA in Barcelona. Dessen Chef-Kurator Friedrich Meschede ist allerdings auch gebürtiger Westfale.

"Von Carl Andre bis Gregor Schneider. Dorothee und Konrad Fischer: Archiv einer Haltung"

Termin: bis 20. März 2011 im Museum Kurhaus Kleve, der Katalog zur Ausstellung ist im Richter Verlag erschienen und kostet in der Museumsbuchhandlung 39 Euro
http://www.museumkurhaus.de/de/5355.html