Remembering Forward - Köln

Neue Kunst mit alten Wurzeln

Sie bedienen sich noch ganz und ausschließlich natürlicher Materialien und traditioneller Techniken: die australischen Aborigines. Neun Künstler aus den Wüstenregionen im Zentrum des Kontinents präsentieren in der Ausstellung "Remembering Forward" im Kölner Museum Ludwig ihre Kunst. Darin thematisieren sie das geistige und physische Konzept einer universalen Ordnung.

Niemand käme wohl auf die Idee, von der europäischen Kunst zu reden. Anders ist es beim Kontinent Australien. Da
wird gerne von der Aboriginal Art gesprochen, und man sieht im Geiste magische Kreiszeichen, wie aus Perlenschnüren geformt, Männer mit Speeren oder mystische Tiere.

Wie unterschiedlich die Kunst der australischen Aborigines (Ureinwohner, deren Geschichte 40 000 bis 50 000 Jahre zurückreicht) tatsächlich ist, will die Ausstellung "Remembering Forward" im Kölner Museum Ludwig belegen. "Trotz ihres Ursprungs in entlegenen Regionen Australiens" seien ihre Werke "keine Folklore, sondern sie ähneln der abstrakten Kunst auf ganz verblüffende Weise". Neun Künstler wurden ausgewählt, die aus den Wüstenregionen im Zentrum des Kontinents stammen, aus der Region Kimberley im Nordwesten und Arnhem Land im Nordosten, und die das ganze Spektrum der Aboriginal Art repräsentieren.

Zu den Künstlern, die sich noch ganz und ausschließlich natürlicher Materialien und traditioneller Techniken bedienen, gehörte Binyinyuwuy (1921 oder 1928 bis 1982). Er malte auf die Rinde von Eukalyptusbäumen stark stilisierte, mit Ornamenten überzogene Motive, wie sie schon in den zum Teil über 20 000 Jahre alten Felszeichnungen zu sehen sind. Auch die Kunst Ronnie Tjampitjinpa (Jahrgang 1943), der inzwischen ebenfalls mit Acrylfarben malt, wurzelt in uralten Überlieferungen. Er bezieht sich in seinen Abstraktionen etwa auf Rituale der Tingari-Männer, geheimnisvolle Vorfahren, die in der Traumzeit über die unendlichen Weiten des Landes gezogen sein sollen und deren Lehren noch bis heute Gültigkeit haben.

Auf der anderen Seite des Spektrums steht Clifford Possum Tjapaltjarri (um 1932 bis 2002), der zum Star der Aborigines avancierte: Er verwendete abstrakte Motive, die ebenfalls auf alter Ornamentik beruhen, setzte sie aber mit modernen Polymerfarben um. Paddy Bedfords (um 1922 bis 2007) Malerei wirkt dagegen in ihrer klaren, auf sparsame Motive reduzierten Abstraktion eher westlich und erinnert ein wenig an die bizarre Welt eines Joan Miró.

Eines aber eint alle diese australischen Künstler: Ihre Kunst, auch ihr Verständnis von der Welt, wurzelt immer noch in dem "Dreaming" oder der "Dreamtime". Damit ist das Konzept einer physischen und geistigen Ordnung gemeint, die das Universum regiert und die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einer Einheit verschmilzt. Diese "Traumzeit" geht zurück auf die mythischen Anfänge, als fantastische Wesen den australischen Kontinent gestalteten – noch heute glauben die Aborigines an eine Existenz dieser Wesen, parallel zu dem Leben der Menschen.

"Remembering Forward"

Termin: bis 20. März 2011, Museum Ludwig, Köln; der Katalog erscheint im Hirmer Verlag und kostet 39,90 Euro
http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig/

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