Gabriel Metsu - Amsterdam

Spektakulär unspektakulär

Er war populärer als Vermeer: Gabriel Metsu galt als Superstar des Barock. Eine Werkschau des niederländischen Barockmalers holt ihn nun aus der Vergessenheit zurück. Es sind vor allem seine Bilder von den kleinen Dingen des Alltags, die bestechen.

Ein hübscher Jüngling sitzt in entspannter Haltung, die Beine lässig übereinandergeschlagen, an einem Tisch und schreibt. Es ist ein Liebesbrief. Denn der Maler Gabriel Metsu, von dem dieses Bild aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammt, hat ein paar feine Hinweise auf den erotischen Inhalt einge­streut: Das Gemälde hinter dem Briefschreiber zeigt Ziegen – der Ziegenbock galt als Verkörperung von Lüsternheit und Vitalität; den Bilderrahmen schmückt eine Taube, der Inbegriff von Sanftmut und Liebe. Metsu liefert einen weiteren Beweis, denn in einem zweiten Bild zeigt er die Empfängerin, die den Brief liest. Die Dienerin im Hintergrund enthüllt ein Bild, auf dem ein Schiff in schwerer See zu sehen ist – nach dem Ver­ständnis des 17. Jahrhunderts „kann man die Liebe mit der See vergleichen, da ihre Verän­derlichkeit mal Hoffnung, mal Angst be­wirkt“, so der Dichter Jan Harmenszoon Krul. Während das Interieur des Schreibers in sinnlichen Rottönen gehalten ist, strahlt das Zimmer der Leserin in lichten Pastellfarben.

Beide Bilder bilden ein Highlight der Ausstellung „Gabriel Metsu – Ein Maler wird wiederentdeckt“, die zunächst in der National Gallery of Ireland in Dublin gezeigt wurde, der die beiden Bilder gehören, und nun im Amsterdamer Rijksmuseum zu sehen ist. Metsu war einer der einflussreichsten Maler des 17. Jahrhunderts. Oft malte er die kleinen, unspektakulären Dinge des Lebens – etwa eine Frau, die auf dem Markt Geflügel kauft, eine andere bei der Toilette, einen Mann mit Pfeife und Krug. Wenn die Damen der gehobenen Gesellschaft seine Modelle waren, dann besticht das Schimmern der kostbaren Stoffe.

Andere Gemälde zeigen dann aber auch anrührende Momente wie eine Mutter, die ihr krankes, elendes Kind im Arm hält, oder eine Frau, die im Angesicht eines Geldverleihers in Tränen ausbricht. Gabriel Metsu war im 18. und 19. Jahrhundert noch populärer als Jan Vermeer van Delft, manche Bilder des Malers wurden sogar Metsu zugeschrieben. Heute wird Vermeer als eine Art Superstar des Barock gefeiert – die Amsterdamer Ausstellung soll nun auch Metsu zu neuer Popularität verhelfen.

Die Wiederentdeckung eines Meisters

Der Katalog zur Ausstellung ist bei Yale University Press erschienen und kostet als Paperback 29,95 Euro, als Hardcover 46,95 Euro.

Die Ausstellung ist vom 17. April bis 24. Juli 2011 auch in der National Gallery of Art in Washington zu sehen
http://www.rijksmuseum.nl/tentoonstellingen/metsu