Hieronymus Bosch - s'-Hertogenbosch

Hieronymus Bosch Research Project

Mit Reflektografie, Infrarotmessung und Makrofotografie: Ein internationales Forscherteam untersucht das Gesamtwerk von Hieronymus Bosch in allen Details. Denn noch immer warten Rätsel darauf, gelöst zu werden
Ausgeforscht:internationales Forscherteam untersucht das Gesamtwerk

Bald unterm Mikroskop: “Die Kreuztragung Christi”, circa 1510/16, 76,7 x 83,5 cm

Fliegende Fische, Hexen, Fabelwesen: Die Gemälde von Hieronymus Bosch (1450 bis 1516) faszinieren seit Jahrhunderten Menschen in aller Welt. Über den Künstler selbst jedoch, sein Leben und seine Arbeitsweise, ist kaum etwas bekannt. Das soll jetzt anders werden: In der niederländischen Provinzstadt s'-Hertogenbosch, wo der Maler geboren wurde und sein Leben lang in einem Haus mit Atelier am Marktplatz wohnte, wurde das „Hieronymus Bosch Research & Conservation Project“ gegründet. Bosch-Experten aus führenden Museen in aller Welt haben dazu ihre Kräfte gebündelt: „Mit von der Partie sind das Metropolitan in New York, der Prado in Madrid, der Louvre und das Städel in Frankfurt“, erzählt der niederländische Kunsthistoriker Matthijs Ilsink. Der 37-Jährige koordiniert ein fünfköpfiges Forscherteam aus Restauratoren, Fotografen und Kunsthistorikern, das im Auftrag der beteiligten Museen in den nächsten zwei Jahren alle 45 bekannten Gemälde und Zeichnungen von Bosch untersuchen wird. Für die Kosten, rund 2 Millionen Euro, kommt die Stadt s'-Hertogenbosch auf.

Das Œuvre des geheimnisvollen Künstlers, der sich in den besten Kreisen bewegte und mit einer reichen Frau verheiratet war, ist in alle Welt verteilt. In s'-Hertogenbosch selbst hängt kein einziges Werk. Deshalb muss das Expertenteam durch zehn Länder reisen, um in 16 Städten alle Werke mit modernsten Techniken zu fotogafieren und dann zu analysieren. "Dazu verwenden wir einen Cocktail aus verschiedensten Methoden", so Ilsink. Unterzeichungen zum Beispiel sollen nicht nur mit Infrarotaufnahmen, sondern auch mit der noch tiefer durch die Farblagen stoßenden Infrarot-Reflektographie entdeckt werden. Und mit Hilfe der Makrofotografie sind Aufnahmen mit extrem hoher Auflösung bis ins kleinste Detail möglich. "Dadurch ist es möglich, die Werke zu vergleichen, ohne dass sie nebeneinander hängen müssen."

11-hieronymus-bosch-20160212
Warum können wir uns an Hieronymus Boschs Bildern auch 500 Jahre nach seinem Tod nicht satt sehen? Eine überwältigende Jubiläumsschau in der Heimatstadt des Künstlers gibt überraschend aktuelle Antworten

Ziel ist es, zu erkennen, was Bosch selbst gemalt hat, was seine Assistenten, und ob er immer die gleichen Mitarbeiter in seinem Atelier hatte. Außerdem soll die Restaurationsgeschichte der Gemälde rekonstruiert werden, um zu sehen, welche Farblagen noch Original sind und was später aufgetragen wurde. Den Auftakt machen Ende November die beiden Bosch-Gemälde in Gent, wo sich der Heilige Hieronymus und die Kreuztragung befinden. Rechtzeitig zum Hieronymus-Bosch-Jahr 2016, wenn s'-Hertogenbosch im großen Stil den 500. Todestag seines berühmten Malersohnes feiert, soll die Analyse präsentiert werden. "Und dann hoffen wir, dass möglichst viele seiner Meisterwerke für eine große Retrospektive auch tatsächlich hier wieder nebeneinander hängen!"