Helmut Kolle - In Chemnitz

Feier für einen Unbekannten

Die Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser zeigen eine Werkschau des Malers, der nur zehn Jahre arbeiten konnte und früh starb

Das Pariser Centre Pompidou besitzt Arbeiten von ihm, das Frankfurter Städel schickte 2010 ein Selbstbildnis von Helmut Kolle im Kontext der Ausstellung "Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Sammlung des Städel Museums" in Gesellschaft von Künstlern wie Lovis Corinth, Gustave Courbet, Pablo Picasso, Paul Klee oder Franz Marc auf Welttournee. Und dennoch hat Kolles Malerei nie den Bekanntheitsgrad erreicht, den sie ohne Zweifel verdient hätte – die Lebensumstände des Künstlers haben das verhindert.

Eine Werkschau in den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, die anschließend noch im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg zu sehen sein wird, könnte Kolle nun einen angemessenen Platz unter den Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts sichern.

Kolle, 1899 als zweiter Sohn des Bakteriologen Wilhelm Kolle im Berliner Stadtteil Charlottenburg geboren, litt schon als Kleinkind an einer Lungenerkrankung. 1913 erhielt er seinen ersten Zeichenunterricht, 1917 lernte er den Kunsthändler Wilhelm Uhde kennen, der sein Partner und Mentor wurde und mit dem er 1924 ins Zentrum der Avantgarde nach Paris zog. Dort starb er 1931 an den Folgen seines langjährigen Lungenleidens. Nur zehn Jahre war es ihm vergönnt gewesen zu malen. In Deutschland wurden seine Bilder von den Nationalsozialisten als "entartet" verunglimpft.

Kolles Malerei zeichnet sich aus durch kraftvolle, ausdrucksstarke Formen aus, die er mit energischem Pinselstrich und in meist erdigen, dunklen Tönen auf die Leinwände brachte. Sein Werk habe "die Traditionen deutscher und französischer Malerei vereint und zu einer eigenständigen Position" entwickelt, heißt es in der Ankündigung des Museums. "Deutlich spiegelt seine Kunst das Menschenbild der 1920er Jahre wider."

Die Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser besitzen selbst 19 Gemälde und eine Federzeichnung. Zur Ausstellung mit insgesamt 90 Arbeiten kamen außerdem Werke aus deutschen, französischen und griechischen Privatsammlungen, dem Centre Pompidou, dem Musée d’Art et d’Archéologie und dem Musée de Grenoble nach Chemnitz.

Helmut Kolle – Ein Deutscher In Paris

Termin: 7. November bis 1. Mai; Katalog: Edition Minerva, 25 Eur; Nächste Station: Ernst-Barlach-Haus Hamburg, 22. Mai bis 25. September
http://kunstsammlungen-chemnitz.justexpertise.de/index.php?loc=sbm&content=ausstellungen&sbmid=7&id=46

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