Tell Halaf - Berlin

Ein Puzzle aus 25 000 Teilen

Der deutsche Diplomat und Archäologe Max Freiherr von Oppenheim entdeckte 1899 im Nordosten Syriens in einem aramäischen Fürstensitz aus dem frühen ersten Jahrtausend vor Christus Monumentalskulpturen und Reliefplatten. Das ihnen gewidmete Museum in Berlin wurde 1943 ein Opfer der Bomben. Die zerstörten Skulpturen wurden jetzt restauriert und sind im Pergamonmuseum zu sehen

Eine explodierende Phosphorbombe entwickelt eine Temperatur von 1300 Grad und hat nicht nur verheerende Folgen für Menschen, sondern richtet auch immensen materiellen Schaden an. Als im November 1943 eine Phosphorbombe das "Tell-Halaf-Museum" in Berlin traf, verbrannten alle altsyrischen Kunstschätze aus Kalkstein, Holz und Gips, die Skulpturen und Reliefs aus Basalt zerbarsten beim vergeblichen Versuch, den Brand zu löschen in zigtausende Fragmente. Nach neunjähriger Restaurierung werden die wiedererstandenen Kunstschätze jetzt in einer Ausstellung im Berliner Pergamonmuseum präsentiert.

Die Monumentalstatuen und Reliefplatten und ihre Schicksalsgeschichte werden durch ein besonderes Lichtkonzept in Szene gesetzt und sollen in ihrer ursprünglichen Pracht zur Geltung kommen – ohne die Narben und Wunden, die der Bombenangriff hinterlassen hat, zu verbergen.

Skulpturen wie einen Wettergott auf seinem Stier, seine Gemahlin und den gemeinsamen Sohn, mächtige Wächterfiguren, mehr als 200 kleine Reliefplatten und zwei weibliche Sitzbilder hatte der deutsche Diplomat und Archäologe Max Freiherr von Oppenheim 1899 auf dem Tell Halaf im Nordosten Syriens in einen aramäischen Fürstensitz aus dem frühen ersten Jahrtausend vor Christus entdeckt und ausgegraben. Ein Teil kam nach Berlin, wurde aber nicht auf der Museumsinsel ausgestellt, sondern erhielt ein eigenes Domizil in einer umgebauten Maschinenhalle in Charlottenburg.

Das 1930 eröffnete Halaf-Museum hatte schnell Weltgeltung, zu den prominenten Besuchern gehörten König Faisal I. aus dem Irak, der irische Schriftsteller Samuel Beckett und die Krimiautorin Agatha Christie. Nach dem Bombendesaster hatte Oppenheim einen Herzenswunsch. "Es wäre ja großartig, wenn tatsächlich die Stücke, in welche die einzelnen Steinbilder zerborsten sind, gesammelt nach den Staatlichen Museen gebracht werden und später wieder einmal zusammengefügt werden können", schrieb er 1944 an den damaligen Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin, Walter Andrae.

Erst Jahrzehnte später, im Jahr 2001, machten sich beherzte Wissenschaftler und Restauratoren an das gigantische Puzzle. Nadja Cholidis vom Vorderasiatischen Museum in Berlin, wissenschaftliche Leiterin des Tell Halaf-Projekts: "Aus einem Trümmerhaufen, der in den Akten des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen 1954 als totaler Kriegsverlust geführt wurde, eine erlebbare archäologische Sammlung wieder erstehen zu lassen, schien uns anfangs wie ein echtes Abenteuer mit ungewissem Ausgang." Zunächst wurden etwa 25  000 Fragmente auf Paletten ausgelegt, identifiziert, nummeriert und kartografiert und wieder zusammengefügt. Großflächige Fehlstellen wurden bewusst nicht ergänzt. "Eine Wiederherstellung der gesamten Oberfläche ist nicht geplant", heißt es dazu im Konzept der Restauratoren, "da aufgrund der Schäden große Bereiche originaler Steinfläche unter der Ergänzungsmasse verschwinden würden."

Die geretteten Götter vom Tell Halaf

Termin: 28.Januar bis 14. August; Katalog: Verlag Schnell & Steiner, 29,90 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro