Karl Schmidt-Rottluff - Berlin

Die Ostsee in leuchtenden Farben

Das Meer war für die Künstler des Expressionismus eine reiche Inspirationsquelle. Das Brücke-Museum in Berlin präsentiert Bilder von Karl Schmidt-Rottluff, die er seit 1906 an der Ostsee gemalt hat

"Alle guten Bilder des Expressionismus sind am Meer entstanden", sagt der Maler Klaus Fussmann, der selbst in Schleswig-Holstein lebt. Maler wie Erich Heckel, Emil Nolde oder Ernst-Ludwig Kirchner zog es immer wieder vor allem an die Küsten der Ostsee. Die Weite und Einsamkeit der Landschaft, das intensive Licht, das stürmische Meer, die ziehenden Wolken – all dies faszinierte die Maler und regte sie zu kühnen Farbexperimenten an. Das Brücke-Museum in Berlin präsentiert nun Karl Schmidt-Rottluffs (1884 bis 1976) Ostseebilder – 35 Gemälde sowie 60 Aquarelle, Kreidezeichnungen und Grafiken zeigen, wie sich der Maler von der Atmosphäre der maritimen Landschaft hat inspirieren lassen.

Schmidt-Rottluff suchte vor allem die Einsamkeit und Ruhe dieser so abwechslungsreichen Landschaft, die ihm ungestörtes Arbeiten ermöglichte. Bereits 1906 war er vom Kollegen Emil Nolde auf die – heute dänische – Insel Alsen eingeladen worden, wo er noch beeinflusst von Vincent van Gogh war. Auf der Suche nach Orientierung und einem neuen Stil hatte der junge Schmidt-Rottluff "durch van Gogh den entscheidenden Anstoß zur Befreiung von traditionellen Normen erhalten", so der Kunsthistoriker Peter Thurmann von der Kunsthalle Kiel. In den Bildern dieser Zeit dominiert der heftige Pinselduktus des niederländischen Vorbilds.

Um 1913 hatte Schmidt-Rottluff dann zu seiner eigenen expressiven Malerei gefunden. Nun setzte er die Farbe nicht mehr in nervösen Hieben, sondern in kraftvollen, meist stark umgrenzten Flächen nebeneinander. Vor allem ein flammendes Rot und ein loderndes Gelb dominieren die Bilder dieser Zeit, die nun in Nidden auf der Kurischen Nehrung entstanden.

Vor und nach dem Ersten Weltkrieg hielt sich Schmidt-Rottluff in Hohwacht an der Lübecker Bucht auf, später in einem kleinen Dorf in Hinterpommern. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, erklärte Schmidt-Rottluff seinen Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste und zog sich nach Rumbke am Lebasee in Hinterpommern zurück. Seine expressive Farbigkeit hat er vor allem in seinen Aquarellen beibehalten, während die Gemälde in eher gedeckten Tönen gehalten waren – wohl eine Reaktion auf die widrigen Lebensumstände im Dritten Reich.

Nach dem Krieg fand Schmidt-Rottluff ein neues Ostseedomizil in Sierksdorf an der Lübecker Bucht. Die Ausstellung führt das Thema der Ostsee-Aufenthalte erstmals systematisch vor mit Arbeiten aus der Stiftung von Karl und Emmy Schmidt-Rottluff und der Sammlung des Brücke-Museums.

Karl Schmidt-Rottluff – Ostseebilder

Termin: 11. Februar bis 17. Juli; Katalog: 24 Euro (während der Ausstellung)

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