Michaël Borremans - Stuttgart

An der Grenze zum Tod

Verstörend, befremdlich und auch beklemmend wirken Michaël Borremans Arbeiten auf den Betrachter und geben ihm immer wieder Rätsel auf. Der Württembergische Kunstverein Stuttgart zeigt Michaël Borremans künstlerisches Werk der vergangenen Jahre und unterstreicht den Zusammenhang der einzelnen Werke.

Der Kopf steckt falsch herum im Hemdkragen. Der Frau hängt am Kinn ein Bart. Verstörend und oft unwirklich sind die Motive von Michaël Borremans. Er zeigt keine Gewalt, keine Rohheiten, aber wenn wie in "The Tape" (2010) ein Mann in einem fremdartigen Arbeitskittel am glänzenden Tisch steht, stellen sich schaurige Assoziationen von Pathologie und Obduktion ein. Der Württembergische Kunstverein Stuttgart taucht nun ein in die malerische Welt Borremans. Die rund 100 Gemälde und Zeichnungen sollen dokumentieren, was der 1963 geborene Belgier in den vergangenen Jahren produziert hat.

"Die Bilder haben so etwas in Ruhe Gestelltes, nah an der Grenze zum Tod", sagt Hans D. Christ, der die Ausstellung gemeinsam mit Iris Dressler zusammengestellt hat. Während die früheren Arbeiten Borremans erzählerisch seien, "wirken die jüngeren Arbeiten enträumt von narrativen Strukturen", sagt Christ. So weiß man nicht, ob die dürre Frau auf dem Bild "The Nude" (2010) ein Modell ist, das mit geschlossenen Augen posiert, oder ob da vielleicht doch eine Tote liegt. Befremdlich wirkt auch "Eating the Beard", das der Ausstellung den Titel gab: Einer Frau wächst aus dem Mund ein Bart heraus, als würde sie ihn erbrechen. Doch zugleich ist das auch Malerei, die sich stets als solche zu erkennen gibt durch breite Pinselstriche.

Flankierend zeigt die Ausstellung im Kunstverein Zeichnungen und Filme, wobei diese "genauso minimal bleiben", so Christ, und auch in den Filmen keine Geschichten erzählt werden. In den Zeichnungen spielt Borremans mit Größenverhältnissen oder deformiert Dinge. Die Ausstellung will sichtbar machen, dass Malerei, Zeichnungen und Filme bei Borremans meist zusammenhängen. "Es gibt zu den Filmen immer Malerei", sagt Christ, "und die Ideen werden zeichnerisch durchentwickelt." Einerlei in welchem Medium, es geht Borremans immer um paradoxe Situationen. Bei allem Unbehagen, so Christ, stecke darin aber immer auch ein unterschwelliger Witz.

Michaël Borremans "Eating the Beard"

Württembergischer Kunstverein Stuttgart, 20. Februar bis 01. Mai
Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag und kostet 29,80 Euro
http://www.wkv-stuttgart.de/

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