Yves Saint Laurent - Marrakesch

Im Garten der Farben

Der Majorelle-Garten in Marrakesch war für den 2008 verstorbenen Modedesigner Yves Saint Laurent Rückzugsort und Inspirationsquelle. Umgeben von einer Vielzahl an Pflanzen und orientalischer Architektur entstanden Haute Couture-Entwürfe, die in ihrer Farbigkeit das marokkanische Leben widerspiegeln und noch bis zum 18. März in der Ausstellung "Yves Saint Laurent et le Maroc" zu bewundern sind

"Ich habe Marrakesch sehr spät entdeckt, und das war ein außergewöhnlicher Schock. Vor allem wegen der Farbe. Diese Stadt führte mich zur Farbe". Diesem Bekenntnis von Yves Saint Laurent geht derzeit die Ausstellung "Yves Saint Laurent et le Maroc" nach.

Noch bis zum 18. März werden in dem leuchtendblauen Ausstellungsgebäude des Majorelle-Gartens in Marrakesch ungefähr 40 Haute Couture-Entwürfe des französischen Modedesigners gezeigt. Bald wird hier eine Dauerausstellung zur Kunst der Berber eingerichtet, doch zuvor verzaubert das Vermächtnis seines illustren Vorbesitzers.

Dabei konkurrieren die gewagten Farbkombinationen im Inneren des Hauses auch noch in der kalten Jahreszeit mit der Blütenpracht des Gartens. Yves Saint Laurent hatte das verwilderte Anwesen 1988 gemeinsam mit seinem Partner Pierre Bergé erworben, nachdem Zerstörungspläne für den Garten publik wurden. Zu diesem Zeitpunkt residierten die beiden schon seit 1966 immer wieder in Marokko und besaßen einige Häuser. Dem Reiz des Majorelle-Grundstücks konnten sie trotzdem nicht widerstehen. Bereits in den frühen zwanziger Jahren erwarb der französische Künstler Jacques Majorelle das Land, das damals noch außerhalb der Stadtgrenzen von Marrakesch lag. Er verwandelte es in eine grüne Oase, mit Pflanzen aus allen Gegenden der Welt und ließ sich später hier auch ein Atelierhaus bauen, das moderne Architektur mit klassischen nordafrikanischen Stilelementen verknüpft. Als Majorelle starb, wurde sein Park zwar öffentlich zugänglich gemacht, litt aber zunehmend unter Vernachlässigung.

Dank des Einsatzes von Yves Saint Laurent konnte das kleine Paradies jedoch erhalten werden und begrüßt Besucherscharen (2009 waren es allein 600 000) mit rauschenden Palmen- und Bambushainen, mit spiegelnden Wasserflächen, gigantischen Kakteen und Flaschenbäumen und Wasserfällen von Bougainvilleen aller Couleur. Die Herkunft der Anlage aus dem Geist andalusischer Gärten ist nicht zu übersehen. Überall laden geflieste Bänke in blauer und grüner Ornamentik zum Verweilen ein, gelbe und und orangfarbene Pflanztöpfe flankieren die Wege. In einer verborgenen Ecke hat sich Meister Saint Laurent unter lauschigen Bananenstauden beisetzen lassen. Eine schlichte Säule markiert diesen Pilgerort für Modefreaks aus aller Welt. Noch für ein paar Wochen kann man im Atelierhaus zusätzlich eine Reise in das Universum von Yves Saint Laurent unternehmen und an dessen Farbrausch teilnehmen.

Wenn man den Gestalter bis in die sechziger Jahre hinein als großen Wiederentdecker des tragbaren Schwarzweiß kannte, so sieht man hier, wie ihn die bunte Vielfalt marrokanischen Lebens auf kreative Abwege getrieben und sein Vokabular veränderte hat. Da fließt ein grellrotes Cape, über und über mit künstlichen blauen Bougainvillea-Blüten besetzt über einen grünen Seidenrock; da gibt es üppig mit Muscheln besetzte Bustiers über mehretagigen Baströcken oder Corsagen mit herausspießenden Brustpartien aus schwarzen Perlen und Pailetten. Die Köpfe der 40 Figurinen zieren entweder Kapuzen, Turbane, Fes-Kappen oder hysterisch aufgetürmte Frisuren. Weiter als bis Marroko war Yves Saint Laurent in Afrika niemals gereist, saugte aber alle Elemente des phantastischen Kontinents manisch ein. Quito Fierro, Chef des Museums und langjähriger Freund von Yves Saint Laurent, erklärt: "Das war die Entdeckung des Orientalismus, nur drei Flugstunden von Paris entfernt." Und erinnert sich, das dieser bei der Arbeit oft selbst eine weiße Jellaba, den fußlangen Kittel der Einheimischen, trug. Gern streifte er durch die Altstadt, die Medina, und ließ sich von den Menschen und ihrer Kleidung anregen. Es ging ihm um einen Mix der Farben, aber auch um die lokale Kunsthandwerkskunst, die sich in breiten bestickten Gürteln, goldenen Bordüren und Troddeln Bahn bricht.

Im Hauptraum wird dieser nordafrikanische Traum auf Wüstensand unter einem gefakten Sternenhimmel präsentiert und wirkt ein wenig, als hätte sich der Marionettenkönig eines obskuren Zwergstaats hier eine weibliche Leibgarde ausstaffiert. Auch Yves Saint Laurent, der selbst aus Algerien stammte, scharte in der märchenhaften Stadt einen ganzen Hoftstaat um sich. Er empfing hier Künstler und Jetset-Größen wie Andy Warhol, Bianca Jagger, Catherine Deneuve oder Paul Getty. Diesem Lebensgefühl widmet die Ausstellung ebenfalls einen Raum, mit persönlichen Fotos aus dem Archiv von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, Zeichnungen und handschriftlichen Texten der beiden. Wer an der marrokanischen Liason der Haute Couture teilhaben möchte, dem sei das Buch "Yves Saint Laurent. Une passion marocaine" ans Herz gelegt.

Yves Saint Laurent - "Yves Saint Laurent et le Maroc"

Noch bis zum 18. März ist die Ausstellung im Majorelle-Ausstellungsgebäude in Marrakesch zu sehen. Wegen der aktuellen Lage im Maghreb empfiehlt das Auswärtige Amt die Medien zu beobachten und Touristen vor Ort Menschenmassen zu vermeiden.
http://www.jardinmajorelle.com/en/

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