Hermann Weizenegger - Hotel Dresden

Irritierende Vorstellung

Hermann August Weizeneggers Projekt "Hotel Dresden" lässt den Betrachter eintauchen in die Ideenwelt des späten 19. Jahrhunderts. Gleich 25 Objekte und Entwürfe im "neuen" historischen Gewand von hoher handwerklicher Qualität verbinden sich zu einer einzigartigen Werkkonzeption
Design-Fiktion:Hermann August Weizenegger

In seinem Ölgemälde "Hotelloby" vereint Hermann August Weizenegger seine
selbstdesignten Objekte

Als Hermann August Weizenegger sein Projekt Hotel Dresden in der Berliner Kunstinstitution Haubrok Foundation zeigte, war das Publikum irritiert. Weizenegger hatte sich mit Hilfe eines fingierten Lexikoneintrags schlicht 100 Jahre älter gemacht (geboren 1863!) und präsentierte 25 Designobjekte in der Formensprache des Jugendstils.

Sie alle sollten Teile des Interieurs eines fiktiven Hotels sein, entworfen zur Weltausstellung 1907. Ein Lexikoneintrag zeichnete schon auf der Einladung das wechselvolle Leben des Jugendstilkünstlers Weizenegger nach, zeigte ihn auf einem Foto mit zweireihiger Weste, Oberlippenbart und gelacktem Haar. Und dann fiel auch noch dieser Satz: "Ich wollte ein Gesamtkunstwerk realisieren." Gesamtkunstwerk? Diesen monumentalen Anspruch haben Designer schon lange nicht mehr formuliert. Es klingt nach Richard Wagners "Ring der Nibelungen", nach Größenwahn, nach Pomp und Theaterdonner und nicht nach dem heute üblichen Minimalismus.

Ein Stilbruch oder Ironie? Auch Weizenegger hat seit Mitte der Neunziger gemeinsam mit
seinem früheren Partner Oliver Vogt modernistische Designobjekte gestaltet, etwa für Rosenthal oder Authentics. Bekannt wurde das Team Vogt + Weizenegger insbesondere mit konzeptionellen Arbeiten, die über das Gestalten einzelner Objekte weit hinaus gehen. So gewannen sie die internationale Design-Elite für das Projekt "Imaginäre Manufaktur", bei dem prominente Gestalter Gegenstände für die sehbehinderten Handwerker der Berliner Blindenanstalt entwarfen.

Darum sieht Weizenegger in seiner Inszenierung als Jugenstilarchitekt auch keinen Widerspruch. "Ich habe immer konzeptionell gearbeitet. Und so ist es jetzt auch bei Hotel Dresden. Ich habe mir die Geschichte ausgedacht, die Dinge entworfen und in Auftrag gegeben. Ich agiere wie ein Regisseur und halte die Fäden zusammen. Immerhin 50 Handwerker und Projektmitarbeiter waren an Hotel Dresden beteiligt."

Für sein fiktionales Projekt taucht Weizenegger tief in die Welt des Jugendstils ein und orientiert sich, wie er selbst sagt, an den damaligen Protagonisten wie etwa Joseph Maria Olbrich und Richard Riemerschmid. So leitete er etwa von den feinen Adern eines Libellenflügels eine komplexe Struktur ab, die zur Basis all seiner Entwürfe wurde. Das Flügelmotive findet sich nun in Barhockern, Leuchten, Tischen und sogar Schmuck und Seidenkleidern wieder.

Der besondere Reiz dieses "Gesamtkunstwerks" liegt darin begründet, das Weizenegger neben guten Handwerkern von heute auch bekannte Manufakturen der Jugendstilzeit aufspürte und für das Projekt gewann. "Ich habe versucht, zu jedem Möbelstück die passende Manufaktur zu finden und die Entwürfe dem Charakter der Werkstätten angepasst," erläutert Weizenegger. Und so steuerte die Glasmanufaktur Freiherr von Poschinger aus Frauenau, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für so bekannte Persönlichkeiten wie Peter Behrens und Joseph Maria Olbrich gearbeitet hatte, gläserne Lampenschirme zur Ausstellung bei und die nicht minder renommierten Handwerker der Kristallglasmanufaktur Theresienthal mundgeblasene und von Hand bemalte Trinkgläser. Es entstanden wunderschöne Objekte mit einer handwerklichen Präzision, die schon lange verloren schien. Doch es kam wie es kommen musste. Die überzeugendsten Entwürfe sind jene, die sich nicht vollständig den vergangenen Zeiten widmen, sondern wie etwa der per Lasercut aus Blech geschnittene Gartenstuhl "Elb" das Thema Jugendstil in die heutige Zeit übertragen.

Hermann August Weizenegger - "Hotel Dresden"


http://hermannaugustweizenegger.de/

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