Karsten Bott - Mainz

Schätze in Bananenkisten

Die Kunsthalle Mainz hat sich auf einer Fläche von 600 qm ganz dem Sammelprojekt des Künstlers Karsten Bott verschrieben. Sein "Archiv für Gegenwarts-Geschichte", das er seit 1988 pflegt, beherbergt alles was Menschen in Gebrauch haben und vor allem Dinge, die wir als wert- oder kulturlos empfinden.

Karsten Bott sammelt: Spielsachen und Küchenmaschinen, Möbel und Schaufensterpuppen, Geschirr, Krempel, Plüsch und Plunder. Er streift über Flohmärkte, steigert bei Ebay – und in mehr als 20 Jahren ist ein gigantisches Archiv entstanden.

In einem Depot hat der Frankfurter Künstler seine Schätze in 2500 Bananenkisten deponiert. Die Kunsthalle Mainz zeigt nun eine Auswahl dieser Bestände.

Es ist die bisher größte Präsentation von Botts Archiv, knapp 300  000 Gegenstände sollen es sein. In drei Ausstellungsräumen werden die Stücke verteilt, die Besucher können auf Stegen über das Meer der Dinge laufen. "Das ist nicht wahllos", sagt Natalie de Ligt, die Leiterin der Kunsthalle Mainz, "Karsten Bott kennt all seine Dinge und wählt aus."

Auch wenn es keine klaren Grenzen gibt, sind die Gegenstände nach Themen sortiert – wie Chemie, Pornografie, Liebe, Krieg, Krankenhaus oder Sexualität. Diese "Terrains", wie de Ligt es nennt, gehen fließend ineinander über. Bott sammelt nicht, "was wir gemeinhin für Wert halten", erklärt sie, sondern es sind Dinge, die Menschen in Gebrauch hatten, die auch defekt oder schmutzig sein können. Entsprechend befinden sich in der Kollektion auch leere Joghurtbecher oder Papprollen von Toilettenpapier. "Bott nimmt die Dinge aus dem Kreislauf heraus", sagt de Ligt, es gehe um die Beziehungen, die Dinge miteinander haben.

"Es hat etwas Unheimliches, diese Fülle schlägt auf einen zurück", sagt sie. So verweist diese Masse nicht nur auf die heutige Konsumgesellschaft, sondern reflektiert auch das Sammeln und Bewahren. "Im Museum werden Dinge aufgewertet", sagt de Ligt, "bei Bott ist aber alles gleichwertig." So wird nichts auf einen Sockel gestellt, alles hat seinen Platz in der Masse. In kleinen Kabinetten wird zudem Botts "Hosentaschensammlung" gezeigt: In die kommen Dinge, die er auf der Straße findet, Scherben, Plastikteile, rudimentäre Teile, die nur so groß sein dürfen, dass sie in seine Hosentasche passen.

Karsten Bott - "Von jedem Eins"

Noch bis zum 1. Mai 2011 kann man die Sammelobjekte des Künstlers besichtigen


http://www.kunsthalle-mainz.de/de/karsten-bott.html