Ré Soupault - Mannheim

Nomadin des 20. Jahrhunderts

Modemacherin, Zeichnerin, Autorin und Fotografin - es gab kaum etwas, das Ré Soupault nicht konnte. Eine Ausstellung zeigt nun ihr sonst nur schwer zugängliches Werk.

Sie wusste, was die moderne Frau braucht: ein Transformationskleid. Eine Garderobe, die man im Büro tragen kann, beim Nachmittagstee und auf einer Abendveranstaltung – alles in einem. Ré Soupault war selbst eine moderne, berufstätige Frau – und wenn sie Mode entwarf, sollte diese kleidsam sein, aber immer auch praktisch.

Die Bauhausschülerin hat sich als Fotografin einen Namen gemacht, die Kunsthalle Mannheim zeigt nun, dass mehr hinter Ré Soupault (1901 bis 1996) steckte: Sie war Modezeichnerin, hat aber auch eigene Mode entworfen, sie hat Hörspiele gemacht, Filme gedreht, Bücher übersetzt.

"Sie ist eine faszinierende Gestalt und als Persönlichkeit vielfältiger, als man bisher dachte", sagt Inge Herold. Sie hat die Retrospektive "Ré Soupault – Künstlerin im Zentrum der Avantgarde" eingerichtet, was eine Herausforderung gewesen sei. "Es ist wenig greifbar", sagt Herold, "vieles ist nicht erhalten oder nicht verzeichnet." Deshalb haben die Kostümbilder des Nationaltheaters Mannheim für die Ausstellung Soupaults Transformationskleid nachgeschneidert. Sie hat regelmäßig in Berlin für die Zeitschrift "Sport im Bild" gezeichnet – Illustrationen zu neuen Modetrends, Accessoires, Rand-Arabesken oder auch Anleitungen, wie man Platz sparend einen Koffer packt. In den zwanziger Jahren ging sie nach Paris und eröffnete ein Modestudio. "Sie hat den Spagat zwischen Haute Couture und Prêt-à-porter versucht, dazwischen ist sie wohl zerrieben worden", erzählt Herold.

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Philippe Soupault, reiste sie fortan durch Tunesien, Spanien oder auch Norwegen und fotografierte – zum Beispiel Prostituierte. "Sie war nie sensationslüstern, sondern hat mit großer Anteilnahme fotografiert", sagt Herold, "wobei die Proportionen und geometrischen Grundformen bemerkenswert sind." Für die Kuratorin ist Ré Soupault eine typi­sche Vertreterin des 20.Jahrhunderts. "Sie ist nomadenhaft durch die Welt gezogen, hat sich den Lebenssituatio­nen angepasst und immer wieder auf ein neues Arbeitsfeld ge­stürzt", sagt Herold, die für die Ausstellung Zeichnungen, Entwürfe, Fotografien, Filme und Hörspiele zusammengetragen hat. Dass viele Facetten von Soupaults Schaffen in Vergessenheit geraten sind, lag auch an der Künstlerin selbst: "Was vorbei war, hat sie geringgeschätzt“, erzählt Herold, „sie wollte die Dinge nicht vermarktet wissen."

Ré Soupault – Künstlerin im Zentrum der Avantgarde

Kunsthalle Mannheim,
bis 8.5.

Der Katalog ist im Verlag "Das Wunderhorn" erschienen und kostet 29,80 Euro



http://www.kunsthalle-mannheim.eu/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen/soupault.html

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