Odilon Redon - Paris

Vom Dunkeln ins Licht

Nicht nur Salvador Dalí und Alfred Kubin waren beeindruckt vom irrisierenden Werk des einflussreichen Symbolisten. In Pariser Grand Palais ehrt man Odilon Redon mit einer umfangreichen Retrospektive.

Flammendes Gelb, leuchtendes Orange, kühles Türkis, dunkel loderndes Violett und ein unglaubliches Blau, die Farbpalette des Odilon Redon (1840 bis 1916) ist geprägt von festlichen, strahlenden Tönen, in denen er üppige Blumensträuße, geflügelte Pferde, tanzende Schmetterlinge, aber auch eigentümliche Unterwasserwelten, im Traum verlorene Schlummernde und Wesen aus der griechischen Mythologie malte. Dabei waren seine Anfänge eher düster: In jungen Jahren hatte Redon die Zeichenkohle als Medium für sich entdeckt. Die "schlichte Substanz, ohne jede Schönheit an sich", lasse "nichts Heiteres, sondern nur Ernstes" entstehen und habe ihm die "Studien des Helldunkel und des Unsichtbaren erheblich" erleichtert, wie er 1894 in einem Brief schrieb.

Auch die Motive dieser Jahre sind eher düster und unwirklich: finstere Katakomben, in denen Totenschädel weiß leuchten, die gespenstische Saga der "Maske des roten Todes" von Edgar Allan Poe, die geheimnisvolle Welt, die sich beim Blick durchs Mikroskop in einem Wassertropfen erschließt, Baudelaires "Blumen des Bösen". Und immer wieder surreale Motive wie ein Auge, das wie ein Fesselballon über einer Landschaft schwebt, ein sardonisch lächelndes Gebiss im Bücherregal, geflügelte Dämonen, ein anthropomorpher "Kaktusmann" im Blumentopf oder eine bösartig grinsende Spinne.

"Herkunft und Kindheit haben Redon von Beginn an als Außenseiter geprägt", schrieb Margret Stuffmann 2007 im Katalog zu einer Redon-Ausstellung in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle. Er litt unter epileptischen Anfällen, wuchs, getrennt von seinen Eltern, in der ländlichen Umgebung des Médoc auf. "Das Gefühl des Verlassenseins, von Einsamkeit wird ein empfindsames, in sich versponnenes und schwermütiges Naturell gefördert haben", so Stuffmann. Seinen genauen Blick schärfte er durch die Beobachtung der Natur, die seine Fantasie ebenso beflügelte wie die Religiosität der Landbewohner und ihre alten Volkssagen.

Die bizarren Traumfantasien, die dieser frühen Erlebniswelt entstammen, gelten vielen als Vorläufer des Surrealismus – Salvador Dalís auf spindeldürren Beinen balancierende Elefanten etwa sind Nachfahren der grinsenden Spinne. Und auch bei Alfred Kubin ist die eine oder andere Motivverwandtschaft unverkennbar – der Österreicher hatte mehrere Werke Redons gekauft. Heute wird Redon als einer der Protagonisten des Symbolismus geehrt, jener Strömung in Kunst und Literatur, die sich im späten 19. Jahrhundert als Ideenkunst gegen den auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Farbenlehre basierenden Impressionismus, gegen Realismus und Naturalismus gewandt hatte.

Von Redons düsteren Arbeiten bis zu den Farbexplosionen vom Ende des 19. Jahrhunderts, die die postimpressionistischen Nabis ebenso beeinflusst haben wie die Fauves, reicht das Spektrum einer Werkschau im Pariser Grand Palais. 170 Gemälde, Zeichnungen, Pastelle und Kohleblätter kamen aus französischen, deutschen, niederländischen, israelischen, japanischen und britischen Sammlungen nach Paris.

"Odilon Redon - Prince du Reve"

Termin: bis 20.6. im Grand Palais Paris
http://www.grandpalais.fr/en/