Paul Pfeiffer - München

Schaumgeborenes Nichts

Der in New York lebende Künstler entlarvt mediale Inszenierungsstragien

Blassblau spannt sich ein wolkenloser Himmel über den Ozean. Wellen spülen weiße Gischt an den Strand. Aber irgend­etwas irritiert an den traumschönen Landschaften, die Paul Pfeiffer in seiner Fotoserie "24 Landcapes" (2000) entfaltet.

Sie basieren auf George Barris’ letzten Aufnahmen von Marilyn Monroe am Strand von Santa Monica. Doch Pfeiffer hat die Schauspielerin als zentrale Figur digital ausradiert. Zurück bleibt die überwältigende Naturkulisse, in der sie Barris als schaumgeborene Liebesgöttin in Szene setzte.

Paul Pfeiffer beschäftigt sich mit den Inszenierungsstrategien der Mediengesellschaft und legt diese in seinem Werk offen. Bekann­te Fotografien und Filmsequenzen verändert er durch digitale Bearbeitung so, dass sie uns vertraut und gleichzeitig fremd erscheinen. Die Sammlung Goetz stellt den 1966 in Honolulu geborenen, auf den Phi­lippinen aufgewachsenen und in New York lebenden Künstler in einer umfassenden Ausstellung vor. Zu sehen sind Videos, Fotografien, Skulpturen und Installationen aus der Zeit von 1998 bis heute, die um Themen wie Pop, Sport und Spielfilm kreisen. Bekannt wurde Pfeiffer durch seine dreiteilige "The Long Count (Rumble in the Jungle)" (2001), in der er die legendären Boxkämpfe von Muhammad Ali thematisiert. Auch hier hat er die zentralen Figuren, die Kämpfen­den, mittels digitaler Bildbearbeitung aus den Originalaufnahmen eliminiert und die Aufmerksamkeit auf die Rahmenhandlung ge­­lenkt. Für sein Werk wurde Pfeiffer im Jahr 2000 mit dem mit 100 000 Dollar dotierten Kunst­preis des Whitney Museum ausgezeichnet.

Viele seiner Arbeit zielen auf unser Bildgedächtnis. An einen Horrorfilm erinnert das großformatige, leicht unscharf proji-zier­te Filmbild aus einer Überwachungskamera in der Videoinstallation "Dutch Interior" (2001). Licht fällt durch die Eingangstür in ein Treppenhaus und wirft geisterhafte Schat­ten an die Wände. Doch ein Blick durch das Spionglas in der Projektionswand legt erneut die Inszenierungsstrategie offen: Das observierte Objekt ist kein Geisterhaus, sondern eine niedliche Puppenstube.

Paul Pfeiffer

München, Sammlung Goetz; Termin: bis 1. Oktober 2011; Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag (35 Euro)

http://www.sammlung-goetz.de/index2.php?lang=de&pn=exh&m=aktuell