Hermine Overbeck - In Bremen

Deine Frau, dein Freund, dein Kollege, dein Alles

Zu einer Zeit, da Frauen nicht einmal eine Kunstakademie besuchen durften, pflegte Hermine Overbeck (1869 bis 1937), Frau des Malers Fritz Overbeck, ihr malerisches Werk – es gelangt jetzt zum ersten Mal in einer Retrospektive an die Öffentlichkeit

Die beiden wurden ein Paar, und das ist zumindest sehr erstaunlich. Fritz Overbeck wunderte sich nach seiner Hochzeit: "Dass einmal ein Malweib meine Frau werden würde ...", und dieses "Malweib", Hermine Overbeck, geborene Rohte, staunte kurz nach ihrer Verlobung: "Und ich würde jeden, der mir gesagt hätte, ich würde einen Maler heiraten, geantwortet haben, dass ich das niemals tun würde."

Die Ehe des "Malweibs" und des Malers gilt als glücklich, barg kaum Konflikte wie etwa die Beziehung zwischen Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker. Wie innig und künstlerisch befruchtend Hermine die Beziehung zu Fritz Overbeck empfand, macht eine kurze aber beeindruckende Beschreibung ihrer selbst deutlich: Sie sei, erklärte sie ihm, "Deine Frau, dein Freund, den Kollege, dein Alles". Das ist auch der Titel einer Retrospektive, die im Bremer Overbeck-Museum das Werk der Malerin in den Mittelpunkt stellt – Bilder der norddeutschen Tiefebene, oft mit liebevollem Blick aufs Detail, manche fast impressionistisch leuchtend. Mit rund 100 Arbeiten ist es die erste Werkschau der Malerin, die zu Lebzeiten nie ausgestellt hatte.

Studium an der "Damenakademie"

Hermine Rohte, die schon als Kind gerne gezeichnet hatte, wuchs in einer Zeit auf, als das Kunststudium an offiziellen Akademien Männern vorbehalten war. Also schrieb sie sich 1892 in die Münchner "Damenakademie" des dortigen Künstlerinnenvereins ein. Bei einer Ausstellung im Münchener Glaspalast 1896 entdeckte sie einige Bilder von Fritz Overbeck. Sie zeigte sich so angetan von seinen Arbeiten, dass sie kurzentschlossen nach Worpswede zog und seine Schülerin wurde.

Malerin mit bürgerlicher Rolle als Frau und Mutter

Nach der Verlobung mit Overbeck setzte Hermine ihr Studium nicht mehr fort. Auch erfüllte sie die bürgerlich-traditionelle Rolle als Frau und Mutter, erlebte aber in den ersten Jahren nach der Hochzeit ihre kreativste Phase. Durch eine Lungentuberkulose waren zahlreiche Sanatoriumsaufenthalte und Liegekuren notwendig geworden. Als sie im Sommer 1909 als geheilt nach Hause entlassen wurde, starb Fritz Overbeck nur wenige Tage später an einem Gehirnschlag. Obwohl sie nun allein für sich und ihre Kinder sorgen musste, Gedächtnisausstellungen für ihren Mann organisierte und ein Werkverzeichnis anlegte, malte sie weiter. Als sie 1937 an den Folgen eines Autounfalls starb, hinterließ Hermine Overbeck ein umfangreiches Werk, das jedoch bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist und jetzt durch die Bremer Ausstellung endlich die angemessene Öffentlichkeit erhält.

Mehr zum Thema auf art-magazin.de

Mehr zum Thema im Internet