Hans Makart - Wien

Ehrenrettung für den Fürsten

Die erste große Museumsausstellung seit 40 Jahren zeigt jetzt in Wien die moderne Seite des Malers

Schwülstige Schinken, aufwendige Dekorationen und protzige Inszenierungen, das fällt einem als erstes zu Hans Makart (1840 bis 1884) ein. Dass der Maler ein früher Dandy war, der seine Skandalbilder bis in die USA auf Tournee schickte und von den Secessionisten, den Wiener Modernen, hoch verehrt wurde, weiß heute kaum noch jemand.

Der Maler, Sohn des Zimmeraufsehers von Schloss Mirabell in Salzburg, gilt vielen als Synonym der Wiener Ringstraßenzeit, der letzten Hochblüte der Monarchie im Habsburgerreich und des aufstrebenden Bürgertums. Eine große Ausstellung im Unteren Belvedere und eine im Wien-Museum im Künstlerhaus (bis 16. Oktober) setzt jetzt zur Ehrenrettung des mit 44 Jahren früh gestorbenen Malerfürsten an.

Sie war längst überfällig: Die letzte umfassende Makart-Ausstellung ist fast 40 Jahre her, sie fand in der Kunsthalle Baden-Baden statt. "Man hat Makart Unrecht ge­tan", verteidigt Kurator Alexander Klee sein Projekt, das vor allem zum Ziel hat, die internationale Bedeutung des Künstlers hervorzuheben: "Das Lokalkolorit wurde ihm nur angedichtet, er hatte damals eine hohe Verbreitung, war extrem populär."

Eine kunstinterne Intrige also gegen den Wagnerianer und Akademie-Professor? Schließlich war er Zeit seines Lebens schon umstritten, entdeckte er doch mitten im Klassizismus das Barock wieder, nahm Tizian und Rubens als Vorbilder. "Das Festliche und das Skizzenhafte wurde ihm schwer angekreidet", erklärt Klee. Rückblickend war Makart dabei stilistisch und inhaltlich "sehr modern", so der Kurator. Der Farbauftrag ist eigentlich schon impressionistisch, kommt einem Manet nahe, die Form musste sich, ganz l’art pour l’art, der Malerei unterordnen, und auch um historische Inhalte scherte Makart sich wenig. Zum Beispiel in dem über zehn Meter langen Sensationsbild "Venedig huldigt Caterina Cornaro": "Es ist völlig unklar, ob es sich hier um ihren Abschied nach Zypern oder den Empfang in Venedig handelt, die Szene spielt eigentlich um 1200, die Kostüme sind aber aus der Renaissance und die Leute sind Zeitgenossen Makarts, ein Spiegelbild der bürgerlichen Wiener Gesellschaft", erklärt Kurator Klee.

Zur Fertigstellung des Monumentalgemäldes bat Makart zu einem seiner berühmten Künstlerfeste in sein Atelier:
Die Gäste mussten in den Kostümen kommen, in denen sie als Modelle posiert hatten, seine Frau, das Vorbild der Caterina Cornaro, ebenfalls. Das Bild begann also zu leben – bevor es medienwirksam auf Reisen geschickt wurde, bis nach Philadelphia. Nach Vorbild seines legendären, üppig ausgestatteten Ateliers entwarf Makart übrigens für einen seiner Mäzene, Nikolaus Dumba, eine Rauminszenierung. Die teilweise Rekonstruktion des "Dumba-Zimmers" wird eines der Herzstücke der Ausstellung sein.

"Makart – Maler der Sinne"

Daten: bis 9. Oktober, Unteres Belvedere, Wien / der Katalog kostet 24,90 Euro
http://www.belvedere.at/jart/prj3/belvedere/main.jart?rel=de&content-id=1169655776882&reserve-mode=active

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