Franz Gertsch - Zürich

Punkt für Punkt zum Riesenformat

Der Schweizer Maler Franz Gertsch zeigt seine Arbeiten, die zwischen 1983 und 2011 entstanden sind, im Kunsthaus Zürich.

Das Foto eines Waldstücks, aufgenommen in der Umgebung seines Hauses in Rüschegg bei Bern, fiel dem Maler Franz Gertsch eher zufällig wieder in die Hände.

Dieser Gelegenheitsfund diente ihm als Vorbild für ein Bild von titanischen Ausmaßen: Es zeigt, völlig unspektakulär und undramatisch, an einem kleinen Ausschnitt, aber auf 325 x 480 Zentimetern, wie die Natur den Sommer hinter sich lässt und in die sanften braun-goldenen Töne des Herbstes hinübergleitet. Das war 2008 und markierte den Beginn eines vierteiligen Werkzyklus, in dem Gertsch jeder Jahreszeit ein Denkmal setzte. Jetzt, nach vier Jahren, ist er vollständig und wird im Kunsthaus Zürich im Rahmen einer Retrospektive zum ersten Mal komplett ausgestellt.

Franz Gertsch ist ein Maler, der langsam und sorgsam arbeitet. Auf der meist ungrundierten Landschaft baut er in unendlicher Feinarbeit aus Millionen winzigster Bildpartikel seine Riesenformate auf. Von Ferne mögen die Porträts, etwa der schönen Johanna, die Gruppenbilder aus den turbulenten siebziger Jahren mit dem androgynen Luciano, mit Bohemiens und Künstlerkollegen oder der Rockikone Patti Smith wohl fotorealistisch wirken.

Ihre feine, delikate Peinture entwickeln sie erst in Nahsicht, wo sie fast eine impressionistisch anmutende Wirkung entfalten. Gertsch sieht es deshalb auch nicht gerne, wenn er mit den amerikanischen Fotorealisten in eine gemeinsame Kategorie eingeordnet wird. Denn im Fotorealismus sollte die Bildoberfläche möglichst eben, und kein Pinselstrich durfte erkennbar sein, die persönliche "Handschrift" des Malers musste sich der Anonymität unterordnen.

2002 ein eigenes Museum

An Bildern wie den "Vier Jahreszeiten" malt Gertsch mehrere Stunden täglich und das über fast ein Jahr, er arbeitet sich Quadratzentimeter für Quadratzentimeter zum Endergebnis vor. Die Bilder entstehen ausschließlich im Atelier nach Fotovorlagen.

Gertsch war 1972 Teilnehmer der Kasseler Documenta und war 1999 und 2003 bei der Biennale in Venedig vertreten. Er stellte unter anderem im Museum of Modern Art in New York aus (1990), im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (1996), im Hamburger Bahnhof Berlin (1997). Im selben Jahr bekam er den Goslarer Kaiserring.

Im Oktober 2002 wurde im Schweizerischen Burgdorf das Museum Franz Gertsch eröffnet, ein rein privat finanziertes Museum, das dem Werk von Franz Gertsch gewidmet ist. Es geht zurück auf eine Begegnung im April 1998 zwischen dem Burgdorfer Industriellen Willy Michel und Franz Gertsch in dessen Atelier in Rüschegg. Die Werke machten tiefen Eindruck auf Willy Michel, und schon bald nach dieser ersten Begegnung fasste er den Entschluss, in Burgdorf auf dem zentral gelegenen Areal der ehemaligen Milka-Käserei ein Museum für eine zukünftige Gertsch-Sammlung zu errichten.

Franz Gertsch. Jahreszeiten. Werke 1983 bis 2011

Termin: 10. Juni bis 18. September.. Katalog: Kerber Verlag, 36 Euro, 48,90 Franken
http://www.museum-franzgertsch.ch/

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