René Magritte - Liverpool

Von "Alice" bis "Prahlhans"

Er gilt als der Philosoph unter den Malern: René Magrittes Bilder sind zwar oft aus einfachen Gegenständen zusammengesetzt, aber seine Vexierspiele und grotesken Zusammenwürfelungen wirken undurchschaubar und rätselhaft. Die Tate Liverpool zeigt nun über 100 Werke des belgischen Surrealisten - und warum er genau das, ein Surrealist, nicht sein wollte

Er ist einer der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts, seine Motive wie der Mann mit der Melone oder die zu Vexierbildern verschmelzenden Körper wurden millionenfach reproduziert, sie faszinieren und wirken auf den ersten Blick leicht ­verständlich.

Und doch gilt der belgische Surrealist René Magritte (1898 bis 1967) als Philosoph unter den Malern. Aus Versatzstücken des Alltags komponierte er überraschende Bilder, mit denen er dem Betrachter die Augen für eine hinter der Ober­fläche liegende Welt öffnen wollte. Und sein oft anarchischer Humor wollte so gar nicht zum Bild des braven Bürgers mit ­dunklem Anzug und Melone passen, den er nach außen verkörperte.

Die Schau in der Tate Liverpool mit mehr als 100 Arbeiten aus allen Werkphasen ­versucht, seine künstlerischen Methoden zu entschlüsseln – den Wechsel von Ver- und Enthüllung, die ständig wiederkehren­den Alltagsgegenstände, die Beschäftigung mit Banalität und Erotik. Auch einige Schlüsselwerke des Malers sind zu sehen, etwa "Das Reich der Lichter" (1950) mit dem verblüffenden Aufeinanderprallen von Tag und Nacht, und "La condition ­humaine" (1933), ein menschenleerer Blick aus dem Fenster, der sich aber als ein auf einer Staffelei stehendes Gemälde entpuppt, sowie das frühe Gemälde "Der bedrohte Mörder" (1927), das fast wie die Illustration zu einem Krimi wirkt, dessen Story jedoch völlig im Dunkeln bleibt. Ein wichtiger Aspekt der Schau ist die Be­ziehung von Magrittes Malerei zu seiner frühen Tätigkeit als Werbegrafiker, zunächst als Zeichner in einer Tapetenfabrik, und dann in der mit seinem Bruder Paul gegründeten eigenen Agentur. Dieser Einfluss zieht sich sowohl formal als auch inhaltlich durch sein gesamtes Werk. Daneben wirft eine dokumentarische Abteilung anhand von Fotos, Filmen und Schriften einen Blick auf sein Leben und seine Arbeitsweise.

Der Surrealist, der keiner sein wollte

Die Schau dokumentiert auch eine wenig bekannte Episode in seinem Schaffen. In der sogenannten "periode vache" – "Kuh-Periode" – im Frühjahr 1948 produzierte er in wenigen Tagen mehr als 30 grelle Gro­tesken im Stil der Fauves für seine erste Einzelschau in Paris, mit denen er die von ihm verachtete Kunstwelt der französischen Hauptstadt verhöhnen wollte. Ende der zwanziger Jahre hatte er sich in Paris den Surrealisten angeschlossen, mit denen er sich aber schon bald überwarf und des­wegen enttäuscht nach Brüssel zurückkehrte. Der Katalog hat sich das Interesse des Künstlers an Buchstaben und Wörtern zum Vorbild genommen und bietet ein "A bis Z" der "Magrittologie", von "Abwesenheit"
und "Alice im Wunderland" bis "Zwanzeur", was soviel heißt wie "Prahlhans".

Tate Liverpool: René Magritte - The Pleasure Principle

Die Ausstellung "René Magritte - The Pleasure Principle" läuft noch bis zum 16. Oktober in Liverpool, danach vom 9. November 2011 bis zum 26. Februar 2012 in der Albertina in Wien.

Der Katalog kostet 22,50 Pfund.
http://www.tate.org.uk/liverpool/exhibitions/renemagritte/default.shtm

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