Assemblage - Leverkusen

Die Erben der Assemblage

Alte Stoffe, neue Formen: Acht Künstler beleben in Leverkusen ein klassisches Genre

Für einige Philosophen liegt das Merkmal der westlichen Demokratien vor allem darin, dass sich alles mit allem kombinieren lässt. Eine Gesellschaft, die sich Gleichheit und Freiheit auf ihre Fahne schreibt, trägt über kurz oder lang Jeans zum Jackett, Stiefel zum Abendkleid und Drei-Tage-Bart zum Scheitel.

In diesem Sinne lässt sich die moderne Kunst auch als Geschichte des Räuberzivils erzählen: Die Maler zerlegen die Welt in ihre visuellen Bestandteile, um sie in der nächsten Generation nach Belieben wieder zusammenzusetzen, und Salvador Dalí bastelt sich sein berühmtes "Hummer-Telefon". Überhaupt kommt die freie Kombinatorik der Dinge in der Bildhauerei am Besten zur Geltung. Die Surrealisten machten es mit ihren Assemblagen und poetischen Objekten vor, später folgten Jean Tinguelys Secondhand-Maschinen oder Edward Kienholz’ Bühnenbilder vom Trödelmarkt des amerikanischen Traums.

Im Museum Morsbroich sind nun acht Gegenwartskünstler als Erben der Assemblage zu sehen. Geradezu minimalistisch mutet Björn Brauns Parkbank an, die vor einem "Gemälde" aus rauem, handgemachten Papier steht. Max Frisinger steckt hingegen ein technisches Gedärm aus Holzstücken, Röhren und Stahlteilen in eine Glasvitrine und scheint mit dem poetischen Titel "Noahs Ark" die schreinhaften Setzkästen Joseph Cornells zu zitieren. Tom Burr zeigt "worn out" (verschlissen, abgenutzt), eine Art mobile Ablage für gebrauchte Dinge. Thomas Grünfeld schlägt den Bogen zur Gentechnik und führt einen Mischling aus Kranich, Bieber und Strauß als "Misfit" vor.

Und schließlich präsentiert Jessica Stockholder die neuesten Kreationen des Combine Paintings. Bei ihr fallen die Gegenstände aus einem leeren Rahmen an der Wand, als hätte sich die Farbe eines abstrakten Gemäldes materialisiert und augenblicklich der Schwerkraft ergeben. So kehrt die skulpturale Collage parodistisch zum Anfang zurück und zergliedert die Malerei in ihre stofflichen Bestandteile.

Schnitte im Raum

Termin: bis 21. August, Museum Morsbroich in Leverkusen; Der Katalog ist im Kerber Verlag erschienen und kostet 25 Euro im Museum und 35 Euro im Buchhandel.
http://www.museum-morsbroich.de/index.php?id=ausstellungen