Donald Judd - München

Ich finde die Möbel bequem

Sitzpolster sind von vorgestern: Die Ausstellung "A good chair is a good chair" zeigt eine wenige bekannte Seite im Werk von Donald Judd. Er, der Kunstobjekte und Gebrauchsgegenstände stets trennen wollte, lässt in seinen minimalistischen Möbeln die Grenzen zwischen Alltagsdesign und Kunst verschwimmen

Flache Kästen aus glänzendem Stahl- und farbigem Plexiglas, konsolenartige Wandobjekte aus lackiertem Aluminium und raumgreifende Kisten aus rohem unbehandelten Holz – eigentlich sehen die minimalistischen Skulpturen von Donald Judd in Materialität und Form aus wie benutzbare Objekte.

Doch der amerikanische Künstler unterschied streng zwischen Kunst­objekt und Gebrauchsgegenstand: "Die Ge­staltung und der Maßstab eines Kunstwerks lassen sich nicht auf Möbel oder Architektur übertragen. In der Kunst ist die Intention eine andere als bei letzteren, die funktionell sein muss."

Dass Judd tatsächlich auch Möbel entworfen hat, ist weniger bekannt. Von dem Unterschied zwischen Kunstobjekt und Möbelstück kann man sich in der Ausstellung "Donald Judd – A good chair is a good chair" in der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne überzeugen. Zu sehen sind Möbel des Künstlers, die seit den siebziger Jahren in kleinster Auflage entstehen, sowie selbstgebaute Stücke für den eigenen Gebrauch. Einige dieser Arbeiten werden erstmals außerhalb seiner beiden Wohnorte New York und Marfa/Texas gezeigt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Sammlung moderner Kunst, die im selben Haus beheimatet ist und über einen herausragenden Bestand an Skulpturen der Minimal Art verfügt. So lassen sich Bezüge zwischen der künstlerischen Arbeit und der Möbelproduktion herstellen, in der Judd die gleichen streng geometrischen Formen verwendete.
"Ich höre oft, dass die Möbel unbequem und daher nicht funktionell sind. Diese Frage geht auf die prall gepolsterten, bürgerlichen viktorianischen Möbel zurück, die es nach wie vor gibt. Ich finde die Möbel bequem", behauptete er in einem Essay. Wer seine Wohnung mit Möbeln nach Entwürfen von Donald Judd einrichten möchte, muss allerdings tief in die Tasche greifen. Obwohl die Bauweise simpel erscheint, sind sie in der Produktion durch die viele Handarbeit recht teuer. Für ein Daybed aus Holz von 1979 zahlt man bei der Edition Schellmann rund 10 000 Euro. Ein Bücherregal von 1984 aus Metall gibt es schon für 9000 Euro.

Donald Judd - A good chair is a good chair

Ausstellung und Katalog entstanden in Zusammenarbeit mit IKON Gallery, Birmingham und Judd Foundation, Marfa/New York. Bis zum 9. Oktober ist die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München zu besichtigen.

Der Katalog kostet im Museum 30 Euro.
http://www.pinakothek.de/kalender/2011-07-15/10602/donald-judd-good-chair-good-chair

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