Lumière Noire - Karlsruhe

Schwarze Tristesse

Die französische Gegenwartskunst präsentiert sich erstaunlich farblos

Kerlen wie diesen will man nachts nicht begegnen: Sie hauen, stechen, würgen und liefern sich Massenschlägereien. Aber auch wenn Schlagstöcke niedergehen, bei Guillaume Bresson wirken die Gewaltakte in der Pariser Banlieue elegant und schön.

Der 1982 in Toulouse geborene Künstler malt Gewaltszenen, die wie magisch in der Nacht leuchten. Die Faltenwürfe der Trainingsanzüge wurden dabei so sorgfältig durchgearbeitet, als handele es sich um eine Neuauflage des Manierismus. Bresson ist einer von zwölf jungen Künstlern aus Frank­reich, die die Kunsthalle Karlsruhe vorstellt. Der Ausstellungstitel "Lumière Noire" liefert die Klammer: Die Gemälde, Zeichnungen und Objekte kreisen um die Farbe Schwarz und um Licht und Schatten.

Ein altes Thema. Und tatsächlich zeigen sich auch andere der ausgestellten Künstler erstaunlich traditionsbewusst. Sophie Bueno-Boutellier markiert mit Schnüren einen Kreis im Stil der Op Art. Nicolas Chardon hat ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund platziert – Malewitsch lässt grüßen. Und Vincent Ganivet hat sich die mittel-
alterliche Kathedralbauweise abgeschaut und Hohlblocksteine ohne Mörtel zu wackligen Bögen gestapelt (sie fielen gut zwei Wochen nach Eröffnung wieder in sich zusammen). Interessant ist die Neuinszenierung altmeisterlicher Motive bei Nick Devereux: Was wie Pferd und Reiter anmutet, ist doch nur ein kühnes Arrangement aus Polstern, Plumeaus und Eisenteilen, die er zusammenbaut und abmalt. Dove Allouche zeichnet virtuos Fotografien ab – Wälder, Gebirge, Kanalisation. Die Motive sind so finster, dass sie sich dem Blick fast entziehen.

Der Fokus auf Schwarz mag auf Grisaille und Clair-obscur anspielen. Inhaltlich bleibt die Ausstellung dünn. Die Schwarzmalerei wirkt in der Summe trist und erweckt den Eindruck, dass es der jungen Generation in Frankreich an Frische, Kraft und Originalität fehlt.

Lumière Noire. Neue Kunst aus Frankreich

Karlsruhe, Kunsthalle
Bis 25.9.
Der Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 29 Euro

http://www.kunsthalle-karlsruhe.de/caw2_index.php?page_id=177&lang=de

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