Otto Lange - Reutlingen

Verfemt und vergesssen

Das Städtische Kunstmuseum Spendhaus in Reutlingen erinnert mit der Ausstellung "Mit Leidenschaft ins Holz gerissen" an einen Expressionisten der verlorenen Generation

Treffender kann ein Ausstellungstitel nicht sein: "Mit Leidenschaft ins Holz gerissen" charakterisiert die Arbeit des Dresdner Malers Otto Lange (1879 bis 1844) aufs beste. Die Holzschnitte sind von auswühlender Expressivität, die kraftvolle Schnitte mit exorbitanter formaler Sicherheit gesetzt, die Farben steigern den Ausdruck ins Exzessive. Lange, der zur selben Generation wie Otto Dix und Max Pechstein gehört, wird der sogenannten verlorenen Generation zugerechnet. Er wurde im Dritten Reich als entartet verfemt; während seine Altergenossen nach Kriegsende einen Neuanfang versuchen konnten, war dies Otto Lange nicht vergönnt – er starb 1944,

Diese verlorene Generation konnte nur selten einen hohen Bekanntheitsgrad erlangen. Das Städtische Kunstmuseum Spendhaus in Reutlingen will jetzt an diesen großartigen Künstler erinnern: Im Mittelpunkt der Schau wie auch des gesamten Werks stehen die Druckgrafiken – Holz- und Linolschnitte, Radierungen und Monotypien.

Der Dresdner absolvierte, wie Dix und Pechstein, zunächst eine Lehre als Dekorationsmaler und ließ eine Ausbildung an der Dresdner Kunstgewerbeschule folgen. Wohl um eine Stelle in der aufstrebenden Industrie Dresdens anzunehmen, brach er das Studium nach zwei Jahren ab. Für zehn Jahre verliert sich seine Spur. Der Kunsthistoriker Will Grohmann berichtete später, Lange habe "auf dem Bau" gearbeitet; "zwei Jahrzehnte fast war er Handwerker; er verlor dabei Zeit, gewann dafür aber eine heute seltene Beherrschung alle technischen Möglichkeiten".

Ein Opfer der Textilunternehmer

1909 nahm Lange sein Studium wieder auf. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schloss er sich der von Conrad Felixmüller gegründeten "Dresdner Sezession. Gruppe 1919", die wie die Sezessionen etwa in Berlin, München oder Wien einen revolutionären Wandel in der Kunst herbeiführen wollte. 1926 wurde Otto Lange als Professor für Ornament an die Staatliche Kunstschule für Textilindustrie in Plauen berufen, seine Lehrtätigkeit war bestimmt durch reformpädagogische Ansätze. Was von der heimischen Textilindustrie heftig abgelehnt wurde – die Unternehmer forderten eine allein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Ausbildung. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Otto Lange auf Druck dieser Fabrikanten aus fadenscheinigen Gründen entlassen.

Lange durfte nicht mehr ausstellen, die meisten Bilder wurden aus öffentlichen Sammlungen entfernt, zwei seiner Arbeiten hingen 1938 in der Berliner Ausstellung „Entartete Kunst“. Otto Lange starb zwei Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Dresden.

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