Geheimgesellschaften - Frankfurt

Verrätselt

Die Frankfurter Kunsthalle Schirn frustriert ihre Besucher mit Geheimnissen, die sie nicht lüftet.

Unter der Treppe lugt das Foto eines arabisch aussehenden Mannes hervor. Wenige Meter weiter: Noch so ein Konterfei, das diesmal auf dem Kasten für den Feuerlöscher klebt. Ein weiteres folgt hinter der Säule. Manche der Männer sehen nett aus. Aber warum sollten sich hier nette Araber hinter Säulen verstecken? "19 Suspects", 19 Verdächtige, heißt die Arbeit von Jonathan Horowitz. Sie spielt mit der Angst, in jeder Ecke lauere ein Terrorist. Was für sich genommen als leidlich originelle Installation durchginge, ist in der Schirn der Auftakt zu einem Parcours voller Merkwürdigkeiten.

Er beginnt mit einem hölzernen Minotaurus, der mit kryptischen Zeichen besprüht vor einem stilisierten Riesenportal steht (Ersteres ist Kunst, Letzteres Ausstellungsdesign) und endet mit einem Film, in dem ein Doppelgänger des Künstlers Brice Dellsperger Szenen aus Stanley Kubricks Film "Eyes Wide Shut" nachspielt. Dazwischen finden sich Schachbrettmuster und rätselhafte Ornamente, eine Parade weiß beklebter Nussknacker, eine bleich geschminkte männliche Schaufensterpuppe und eine Schafsfelljacke, die unter einem einäugigen Styroporkopf hängt. Vor allem aber wird vielen Fragen Raum gegeben, die niemand beantwortet.

"Geheimgesellschaften. Wissen Wagen Wollen Schweigen" lautet der Neugier weckende Titel der Schau, doch Geheimnisse werden hier keine gelüftet. Stattdessen habe man selbst welche kreieren wollen, postulierte Schirn-Direktor Max Hollein, und das ist auf fatale Weise geglückt. Manches wirkt ironisch oder witzig, anderes ist wohl politisch-aufklärerisch gemeint. Mal geht es um die Mafia, mal um einen Geheimdienst oder die Verstrickungen von Henry Kissinger. Alles im allem bleibt es aber bei einem unentschlossenen Konzept in einer bemühten Inszenierung. Schließlich steht man vor einem verheißungsvoll "Darkroom" genannten schwarzen Stoffparavent von Simone Gilges: ein Raum, der wie eine vergrößerte Wahlkabine an drei Seiten geschlos­senen ist. Wissbegierig läuft man dahinter und erblickt – nichts.

"Geheimgesellschaften. Wissen Wagen Wollen Schweigen"

Termin: bis 25. September, der Austellungskatalog ist im Snoeck Verlag erschienen und kostet 29,80 Euro
http://www.schirn.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de