Marc und Beuys - Kochel am See

Naturverehrung, Intuition, Fantasie

Das Franz-Marc-Museum in Kochel am See dokumentiert, welche Gemeinsamkeiten so unterschiedliche Künstler wie Joseph Beuys und Franz Marc haben

Oberflächlich betrachtet scheinen die beiden Künstler keine Gemeinsamkeiten zu haben. Hier Franz Marc (1880 bis 1918), der Elemente von Expressionismus, Kubismus und Futurismus in seinen farbtrunkenen Bildern vereinte. Dort Joseph Beuys (1921 bis 1986), der Grübler und Aktionist, der mit Fettecken und Filzobjekten, mit stoischen Objekten wie Krankenbahren oder Kinderschlitten, mit Happenings und gesellschaftspolitischem Engagement das Kunstverständnis des 20. Jahrhunderts radikal verändert hat.

Und doch, es gibt sie, eine Gemeinsamtkeit zwischen beiden. Das ist die These, die das Franz-Marc-Museum in Kochel mit der Ausstellung "Franz Marc und Joseph Beuys – Im Einklang mit der Natur" belegen will. 120 Zeichnungen und einige Skulpturen sollen anschaulich machen, dass beide in ihrem Denken und ihrer künstlerischen Haltung "auf gemeinsame Wurzeln in der deutschen Romantik zurückgreifen", so die Grundthese. Beide Künstler hätten "Misstrauen rein rationalen Ansätzen gegenüber", ihr Werk sei bestimmt von Naturverehrung, Intuition und Fantasie.

Schemenhafte Umrisse, fragmentarische Formen

An einem Themenkreis, der beide beschäftigt hat, lässt sich das greifbar darstellen: Beuys und Marc haben sich häufig mit dem Tier befasst. Aber keinem von beiden ging es dabei um eine realistische Darstellung. Bei Beuys werden der Elch, der Hase oder das erschlagene Tier mit flüchtigen Bleistiftstrichen, mit fließenden Tuschschwüngen in schemenhaften Umrissen nur angedeutet, bleiben fragmentarisch und scheinen einem ständigen Prozess der Veränderung unterzogen zu sein.

Blaue Pferde werden zu spirituellen Wesen

Franz Marc hat in seiner Malerei sowohl die Farben als auch die Formen der Kreaturen radikal verändert: Seine Pferde, Rehe oder Katzen sind kristallin zersplittert und scheinen mit dem Hintergrund zu verschmelzen, Pferde sind nicht mehr schwarz, braun oder weiß, sondern durch die Farbe Blau werden sie zum rein spirituellen Wesen.
Sowohl Marc als auch Beuys "setzen ihre Naturverbundenheit und ihre christlich geprägte Weltanschauung jeweils in Werke um", heißt es in der Ausstellungsankündigung, "die alles kreatürliche und pflanzliche Leben in den großen Zusammenhang der Natur stellen".

Franz Marc und Joseph Beuys

Termin:18. September bis 27. November. Katalog, Schirmer Mosel Verlag: 39,80 Euro
http://www.franz-marc-museum.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de