New Color Photography

Haus der Photographie

Damals Revolution, heute fast banal
Joel Meyerowitz: "Cape Cod", 1976, Cosmos, Color Print, 35,5 x 27,9 cm (Courtesy Haus der Photographie / Sammlung F.C. Gundlach, Hamburg)

DAMALS REVOLUTION, HEUTE FAST BANAL

Ab heute werden dem Besucher des "Haus der Photographie" in den Deichtorhallen fünf Fotografen präsentiert: die prägenden Köpfe der New Color Photography, die sich von den Moden der siebziger Jahre gekonnt abzusetzen wussten und Kiyoshi Suzuki, der in seinen Schwarzweißfotografien soziales Engagement mit Emotionen verband.
// BARBARA HEIN, HAMBURG

Ab heute finden gleich zwei Ausstellungen parallel im Haus der Pho­tographie der Deichtorhallen Hamburg statt: "New Color Photography der 1970er Jahre" und "Kiyoshi Suzuki. Soul and Soul". In der ersten geht es um den vor rund 30 Jahren vollkommen neuen, revolutionären Ansatz, Farbfotografie als Kunst aufzufassen und alltägliche, uninszenierte Momente in den Mittelpunkt zu rücken. Diese heute fast banal erscheinende Auffassung teilten vor allem die vier unabhängig voneinander arbeitenden Amerikaner Stephen Shore, Joe Maloney, Joel Sternfeld und Joel Meyerowitz.

Farbfotografie war damals die Domäne von Werbung und Amateuren und damit der hohen Kunst nicht würdig. Shore, Meyerowitz, Sternfeld und Maloney brachen mit diesem Dogma und eta-blierten so eine neue künstlerische Richtung der ortsbezogenen Fotografie, die bis heute von Meistern wie Paul Graham oder Andreas Gursky weiterentwickelt wird. Der 1947 in New York geborene Shore dokumentierte auf Roadtrips durch das amerikanische Hinterland mit einer Plattenkamera Tankstellen, Kreuzungen, Motelzimmer und Diner-Gedecke.

Der auch aus New York stammende Joel Meyerowitz, Jahrgang 1938, hatte in den Sechzi­gern zunächst mit Diafilmen experimentiert, bevor er Anfang der Siebziger erst zum Mittel- und dann zum Großformat wechselte, um sein Haus und dessen Umgebung auf Cape Cod im Bild festzuhalten. Der dritte New Yorker, Joel Sternfeld, 64, nutzte ebenfalls das Großformat und widmete sich von Menschen gestalteter Landschaft und ihren Bewohnern. Joe Maloney, geboren 1949 in Massachusetts, setzte bewusst eine verfremdete Farbwiedergabe ein, um den Betrachter zu irritieren. Außer der Neueroberung der Farbe in der Kunstfotografie ist den vier Protagonisten dieser Schau eine präzise kalkulierte Bildästhetik gemeinsam, die sich hinter scheinbar banalen Sujets verbirgt.

Die Kiyoshi-Suzuki-Ausstellung ist die erste in Deutschland des 2000 mit 57 Jahren gestorbenen Japaners. Es regierten grafisches Schwarzweiß und die künstlerische Idee, Emotion und Dokumentation miteinander zu verbinden. Eine seiner ersten Serien widmete er den Minenarbeitern seiner Heimatstadt Iwaki. In der Schau werden neben Fotografien von 1969 bis 1999 auch die in Suzukis Werk ebenso wichtigen Bücher sowie deren "Dummys" zu sehen sein. Bevor ein Buch erschien, schleppte er den Entwurf oft monatelang mit sich herum, zeigte ihn Freunden und Kollegen, holte Rat ein und verfeinerte ihn bis zur Vollendung.

New Color Photography / Kiyoshi Suzuki

Termin: 21. November bis 11. Januar 2009. Katalog: Buch und Textheft zu Kiyoshi Suzuki, Verlag Norderlicht, 38 Euro, im Buchhandel 58 Euro.

http://www.deichtorhallen.de

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