Max Beckmann - Ausstellungen

Ein Festival für Beckmann

Kein Jubiläum, kein runder Geburts- oder Todestag steht an – und doch feiern zur gleichen Zeit drei renommierte Ausstellungs­institute in Deutschland und in der Schweiz den großen Expressionisten Max Beckmann (1884 bis 1950). Das Kunstmuseum Basel widmet sich den Landschaften des "Titanen der Moderne", das Museum der bildenden Künste Leipzig konzentriert sich auf Porträts, und das Frankfurter Städel-Museum schließt die kleine Reihe ab mit einer Schau zu Beckmanns Zeit in den USA.

Wer an Max Beckmann denkt, dem fallen als Erstes wohl dessen verschlüsselte, politisch visionäre Triptychen ein. In Basel gibt es nun einen anderen Beckmann zu entdecken, den Maler grandioser Landschaften. Weniger geprägt von allegorischen Sinnschich­ten seien die Landschaftsbilder, heißt es aus dem Museum, stattdessen würden sie die großartigen malerischen Qualitäten Beckmanns auf unmittelbare Weise sichtbar machen. Landschaft heißt bei Beckmann nicht das Schweifen in die Ferne. Oft hält er den Blick von einem Fenster oder einem Balkon aus fest, zeigt entweder Gegenstände, die auf die Existenz des Menschen verweisen oder die Menschen selbst und schafft so eine Verbindung zwischen Natur und menschlicher Behausung. Die Leipziger Ausstellung vereint klassische Porträts mit Gruppenbildern, in denen Beckmann seine eigene Familie, seinen Freundeskreis wie in einer Theater­szene arrangiert hat, wie im "Familienbild" (1920) aus dem New Yorker MoMA.

Das Frankfurter Städel-Museum führt vor, wie Beckmann in New York einen "be­frei­enden, intensiven Neuanfang" erlebte. Vorausgegangen war seine fristlose Entlassung als Professor an der Frankfurter Städel­schule; 1937 wurden seine Gemälde in der Ausstellung "Entartete Kunst" an den Pranger gestellt, im selben Jahr emigrierte er zunächst nach Amsterdam und dann in die USA. Dort hatte Beckmann Kontakt zu Emi­gran­ten aus seiner alten Heimat, mit denen ihn ein ähnliches Schicksal verband – etwa den ehemaligen Städeldirektor und Freund Georg Swarzenski und den Kunsthändler Curt Valentin. Auch Amerikaner wie Perry T. Rathbone, Direktor des Saint Louis Art Museum, das Ehepaar Pulitzer oder der Kunst­sammler Morton D. May förderten und unterstützen ihn. Auch die Weite des Lan­des, die Dynamik der Großstädte waren für Beckmann eine völlig neue Quelle der Inspiration. Die Folge war eine späte Phase von unglaublicher Energie und Produktivität, wobei Beckmann trotz des aufkommenden Abstrakten Expressionimus an der figurativen Malerei festhielt. Das Städel zeigt unter anderem Beckmanns letztes Bild "Hinter der Bühne (Backstage)", das unvollendet blieb.

Basel: Max Beckmann. Die Landschaften. Leipzig: Von Angesicht zu Angesicht. Frankfurt: Beckmann und Amerika

Termine: Kunstmuseum Basel bis 22.01.2012, Museum der bildenden Künste Leipzig bis 22. Januar 2012, Städel-Museum Frankfurt bis 8. Januar 2012

Kataloge sind im Verlag Hatje Cantz erschienen: "Max Beckmann: Landschaften", 49,80 Euro; "Max Beckmann: Von Angesicht zu Angesicht", 49,80 Euro; "Max Beckmann & Amerika", 34,90 Euro, im Buchhandel 44 Euro

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