Laura Owens - Bonn

Die "Neue" aus Amerika

Mit vermeintlich kindlicher Naivität bemalt Laura Owens die Seiten zahlreicher Bücher, visualisiert ihre Ideen zum Thema "Uhr" und färbte große Leinwände mit kräftigen Blau- und Lilatönen. Ihre Werke bewegen sich zwischen Impressionismus, Minimalismus oder knalligem Pop. Bisher waren ihre Werke nur in Los Angeles, Zürich und Maastricht zu sehen.

Ein junges Mädchen liegt bäuchlings auf einer bunten Blumenwiese. Mit neckischem Blick schaut sie den Betrachter über die nackte Schulter hinweg an. Neben ihr hat sich ein kleines Kätzchen zusammengerollt, und weiter hinten mümmelt ein niedlicher Zwerghase im Gras. "Was für ein Kitsch", mag man zunächst denken, wenn man das mit flotten Pinselstrichen in Bonbonfarben gemalte, großformatige Bild von Laura Owens sieht. Unbekümmert verstößt sie damit gegen die Regeln der bildenden Kunst und des guten Geschmacks. Aber was bedeuten heute schon Regeln, wenn sie Avantgarde-Künstler alle paar Jahre wieder über den Haufen werfen, und auch über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten.
Die 1970 in Ohio (USA) geborene und in Los Angeles lebende Künstlerin setzt sich souverän über die Regeln bildnerischen Gestaltens hinweg.

Eklektisch bedient sich Owens im Reservoir der Kunstgeschichte, mischt einander widersprechende Kunststile und garniert sie mit Elementen der angewandten Kunst und Populärkultur. Nichts scheint zusammenzupassen, wenn sie etwa kindlich anmutende Schmetterlinge in einem streng minimalistischen Raster landen lässt oder eine dicke, weiße Farbwurst direkt aus der Tube in einen impressionistisch gemalten Nachthimmel drückt. Dass die von Laura Owens gezauberten Bildmenüs dem Betrachter trotz der Vielzahl bildnerischer Codes nicht zu schwer im Magen liegen, ist der spielerischen Leichtigkeit zu verdanken, mit der sie ans Werk geht.

Handgemachte Bildbände laden zum schmökern ein

Einen fantastischen Einblick bietet die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn mit neuen Arbeiten, bei der auch 50 Künstlerbücher auf einem Tisch ausgebreitet sind. Ungeachtet konservatorischer Bedenken kann der Besucher hier in den kunstvoll bestickten, bemalten oder beklebten Bänden blättern und so einen Zugang zur Gedankenwelt der Künstlerin finden. Obwohl die Bilder einen unbekümmerten, spielerischen Umgang mit der Geschichte der Malerei suggerieren, wird deutlich, dass Owens nichts dem Zufall überlässt. Die Wirkung der Farbe, die Materialität, der Untergrund und die bildnerische Form werden in den Skizzenbüchern in unendlichen Variationen durchgespielt, bevor sie den Weg auf die Leinwand finden.

Zeit für Kunst

Ein intellektuelles Spiel zwischen Objekt und Bild ist die Serie der "clock paintings", 80 quadratische Tafeln in der Größe 61 x 61 Zentimeter, in denen sie das Thema "Uhr" in unterschiedlichen Visualitäten durchdekliniert. Obwohl viele diese Bildobjekte mit batteriebetriebenen Zeigern verbunden sind, lässt sich die Uhrzeit darauf nicht ablesen. Entweder fehlen die Zahlen auf dem Zifferblatt, die Zeiger laufen entgegen dem Uhrzeigersinn oder sie sind nur gemalt. "Ein Gemälde mit einem sich bewegenden Element erscheint einerseits etwas lächerlich", erklärt Owens, "andererseits ermöglicht es Überlegungen zur Subjektivität des Betrachterstandpunkts."
Die ganz große Geste hat sie in ihrem neuen neunteiligen Gemäldezyklus in dunklen Blautönen zelebriert, der einen ganzen Raum im Kunstmuseum Bonn einnimmt. Ähnlich wie in der Musik lässt sie auf den hochformatigen Tafeln die bildnerischen Mittel der Malerei zu einem donnernden Akkord anschwellen. Unweigerlich fühlt man sich an die großen Bilderzyklen der jüngeren Kunstgeschichte von Cy Twombly oder Mark Rothko erinnert. Doch Laura Owens bricht das machohafte Pathos der Malerei. Mit feinem Glitzerstaub und neonfarbenen Pigmenten lässt die Arbeit in der Gegenwart angekommen.

Laura Owens:

22.11.2011 – 8.1.2012, Kunstmuseum Bonn

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag für 20 Euro

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