Gustave Courbet - Ornans

Ich kenne mein Land, und ich male es

Das Geburtsthaus des französischen Künstlers Gustave Courbet (1819 bis 1877) in Ornans wurde zu einem musealen Zentrum ausgebaut, das einen Besuch lohnt:
Heimatbindung:Geburtsthaus des Künstler ist jetzt ein modernes Museum

Das Courbet-Museum in Ornans

Im föderalistischen Deutschland ist Kultur bekanntlich Sache der Länder, was nicht nur im Schulwesen zu Verwirrung führt, sondern dem Land auch Museen beschert, die regionalen und gar lokalen Besonderheiten geschuldet sind – eine Vielfalt, die viel kostet und oft wenig einbringt. In Frankreich ist alles anders, unser Nachbarland ist zentralistisch organisiert, und die wichtigen Museen konzentrieren sich bis heute auf die Hauptstadt Paris. Doch auch in Frankreich ändert sich manches, nicht nur die Besetzung des Senats – nach mehr als 50 Jahren haben erstmals die Sozialisten die chambre haute, das Oberhaus, erobert. Auch die Departements machen Front gegen die Pariser Oberherrschaft. Ein schönes Beispiel dafür findet sich im Département Doubs.

Fährt man von Besançon in Richtung Schweiz, so findet sich etwa 20 Kilometer vor Pontarlier, der Hauptstadt des Absinths, eine Abfahrt nach Ornans, die unversehens mit den Schildern "Pays de Courbet. Pays d’artiste" geschmückt ist, eine Sonderheit, wird man doch ansonsten hier gerne statt auf die Kultur auf den Käse hingewiesen, die "Route du Comté" führt zu diversen Käsereien, in denen man die regionale Spezialität, den Comté A.O.C. (einen geschützen Hartkäse) verkosten kann.

Die Genüsse, die den Besucher in Ornans erwarten, sind anderer Art: Hier wurde 1819 Gustave Courbet geboren, dessen vorgebliches Geburtshaus zusammen mit zwei anschließenden Gebäuden nun zu einem musealen Zentrum ausgebaut wurde, das nichts mehr mit dem verstaubten Etablissement zu tun hat, das 1971 eingerichtet wurde und das kurz vor seiner Schließung vor vier Jahren eine mit rotweißen Bändern abgesicherte Gefahrenzone war.
Mit dem großzügigen Umbau ging allerdings auch der Charme des Provinziellen verloren. Der mit viel Glas und noch mehr Metall gestaltete Vorraum ist Monument einer Allerweltsarchitektur (Architektin: Christine Edekiens, Museografie: Bruno Tainturier, beide Paris), die weniger dem Geist des Ortes als den heutigen Anforderungen an ein modernes Museum geschuldet ist.

Ziel des Baues und der ganzen Initiative "Pays de Courbet. Pays d’artiste" ist es, die enge Beziehung des Künstlers zur Landschaft seiner Heimat herauszuheben, die sich in einer seiner zentralen Aussagen findet: „Um eine Landschaft zu malen, muss man sie kennen. Ich kenne mein Land, und ich male es." Zwei Drittel der Werke des nun so gern "Meisters von Ornans" genannten Malers haben die Landschaft seiner Heimat zum Thema; im Museum ist ihnen der Raum 12 gewidmet. Ein Hauptwerk aber fehlt: Es ist das „Enterrement à Ornans“ aus dem Jahr 1849. Das überformatige Gemälde (3,15 x 6,68 Meter), das wegen seines Realismus weitgehend auf Ablehnung stieß, hängt heute im Pariser Musée d’Orsay. Es ist hier in einer vierminütigen Videopräsentation gegenwärtig, die etwas unglücklich platziert – sie unterbricht den Parcours –, aber sehr sehenswert ist.

Das Musée Courbet besitzt einen durchaus bemerkenswerten eigenen Bestand von 41 Bildern und vier Skulpturen, von denen die wichtigste der restaurierte Gips der ersten Fassung des "Pêcheur à chavots" (1863) für den Brunnen auf der Place des Îles-basses (heute: Place Gustave Courbet) in Ornans ist. Sie zeigt den fischenden Knaben in natürlicher Nacktheit, was die Zeitgenossen empörte, die nackte Figuren nur in mythologischer Verkleidung duldeten. Die Bronze bekam denn auch einen Lendenschurz. Eine (zweite) Originalbronze steht heute im Rathaus von Ornans, auf dem Platz befindet sich ein Nachguss. Auch mit dem Museumsneubau hatten die Bürger von Ornans ihre Schwierigkeiten. Die durchaus gelungene gläserne Galerie über der Loue, deren Quelle Courbet so häufig gemalt hat, wurde als Verunstaltung empfunden, was den Bau verzögerte.

Wenn man in Ornans ist, sollte man unbedingt die Quelle der Loue und den Ort Flagey, etwa acht Kilometer entfernt, besuchen. Hier stand einst die so genannte Eiche des Vercingétorix, 1864 von Courbet gemalt. Die Eltern von Courbets Mutter stammten aus Flagey, ihr Haus samt dem hübschen Bauerngarten ist heute mustergültig restauriert. Das Gemälde "Le chêne de Flagey" aber befindet sich im Michimasa Museum in Tokio. Die Eiche selbst wurde in den dreißiger Jahren gefällt. Der Besitzer des Bildes, der Industrielle Murauchi Michimasa, aber kam irgendwann einmal nach Flagey und nahm von dort etwas Erde mit nach Japan, so jedenfalls erzählt es der Gärtner Dominique Duchênes, und der muss es schließlich wissen. Auch auf diese Weise leben Courbet und sein „pays“ fort.

"Musée Gustave Courbet"

Ornans, Place Robert Fernier, Katalog der ständigen Sammlung: 18 Euro
http://www.musees-franchecomte.com/index.php?p=230