Cézanne, Renoir, Picasso & Co - Tübingen

Rückblick auf bessere Zeiten

Eine kuriose Idee mit schwachem Ergebnis: Die Kunsthalle in Tübingen zieht einen Querschnitt durch vergangene Erfolgsausstellungen.

Die Kollegen in den Großstädten staunten: Sollte das kleine Tübingen jetzt zur ernsthaften Konkurrenz werden? Plötzlich standen die Menschen Schlange vor der Kunsthalle, bis zu 400 000 Besucher pilgerten pro Ausstellung in die Studentenstadt. Als "Tübinger Wunder" wird der Erfolg des damaligen Direktors Götz Adriani gern bezeichnet, der in den achtziger und neunziger Jahren mit der Klassischen Moderne für Furore sorgte.

Nun feiert die Kunsthalle ihren 40. Geburtstag und will an ihre alten Erfolge anknüpfen mit einer kuriosen Idee: Die Jubiläumsschau "Cézanne, Renoir, Picasso & Co" zeigt einen Querschnitt der einstigen Erfolgsaustellungen. So wurde Erlesenes in die Kunsthalle geholt: "Die Kleine Irène" (1880) von Auguste Renoir, das Porträt eines Mädchens, das so frisch und anmutig wirkt wie die luftige, leichte Malerei. Paul Cézannes "Haus mit rotem Dach" lässt die sommerliche Hitze und den kühlen Schatten auf dem bewachsenen Pfad ahnen. Pablo Picasso wurde ein größerer Bereich gewidmet, kursorisch geht es durch Stile und Motive mit einer frühen Zeichnung seiner Schwester Lola Ruiz von 1898 oder einer
frech-fröhlichen Adaption von Monets "Frühstück im Grünen" von 1962, bei dem auch die Männer nackt im Gras lümmeln wie Hippies. Doch die Remineszenz an die eigenen Erfolge ist absurd. Dem Potpourri fehlt ein Konzept, die Erinnerung an bessere Zeiten macht noch keine schlüssige Schau. Sicher gibt es in der Kunsthalle schöne Gemälde und Zeichnungen zu entdecken – wie "Im Bett" (1892) von Henri de Toulouse-Lautrec, das morgendliche Müdigkeit genüsslich und ohne jeden Voyeurismus zeigt. Jeder hat das Recht, sich an seinem Geburtstag selbst zu feiern. Von einem Ausstellungshaus hätte man aber mehr kritische Distanz erwartet.

Cézanne, Renoir, Picasso & Co

bis 29. Januar, Kunsthalle Tübingen

Zu der Ausstellung ist ein Katalog bei DuMont erschienen, 29 Euro. Im Buchhandel 39,95 Euro
http://www.kunsthalle-tuebingen.de/

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