Alex Katz - Ausstellung

Makellos, kühl, unnahbar

Zwei Ausstellungen des amerikanischen Pioniers der Pop Art. Frankfurt zeigt "coole" Druckgrafiken, Hannover präsentiert "Naked Beauty".

Der Titel "Cool Prints" bezieht sich auf eine Ausstellung der Druckgrafiken von Alex Katz im Jüdischen Museum Frankfurt. Das Wort "Cool" allerdings wäre als charakterisierendes Attribut ebenso für eine Gemäldeausstellung von Katz angesagt, wie sie jetzt in der Kestnergesellschaft Hannover stattfindet. Ob Druck oder Ölgemälde: Alex Katz malt stets flächig, mit unschattierten Farben, klaren Linien, ohne individuelle malerische Handschrift. Seine Motive sind glatt und aufs Essenzielle reduziert, die Gesichter, die ohne erkennbare Ortung frei vor makellosen, starkfarbigen Gründen zu schweben scheinen, sind frei von jeglicher Emotion, glatt, hermetisch – eben cool.

Mit "Cool Prints" setzt das Jüdische Museum eine lose Reihe von Kunstausstellungen jüdischer Künstler fort, voran gegangen waren Schauen zu Else Lasker-Schüler oder Ludwig Meidner. Druckgrafik bedeutet für Alex Katz dabei nicht allein ein Medium für die rasche Verbreitung von Kunst. Mit Druckgrafik erprobt er vielmehr Konzeption und Variatio­nen der Farbigkeit, die er dann in seinen Ge­mälden anwendet. Im Zentrum der in Frankfurt gezeigten Blätter steht Katz’ Ehefrau Ada, die als Ikone und Muse fast sein gesamtes Werk begleitet. In der Kestnergesellschaft wird zum ersten Mal in der Vielzahl die Aktmalerei von Alex Katz thematisiert: Auch hier stehen seine Nackten vor einem zwar farbigen, aber doch neutralen Hintergrund. Sie versprühen keine Sinnlichkeit, sondern strahlen eine kühle Aura von Unnahbarkeit und Distanz aus. Die Akte werden ergänzt durch eine Auswahl von New Yorker Stadtansich­ten. Auch hier gibt es keine Illusionsräume, keine erzählerischen Komponenten – die Menschen, die in den meist düsteren Straßenfluchten eher verloren wirken, haben keine dramaturgische Funktion. Alex Katz, 1927 in Brooklyn/New York als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren, ist heute vor allem mit seinen überlebensgroßen Porträts einer der bedeutendsten US-Maler der Gegenwart. Seinen charakteristischen Stil hatte er bereits in den fünfziger Jahren ausgearbeitet, mit seinen Bildern leistete er eine entscheidende Initialzündung für die Pop Art der Sechziger.

Alex Katz "Cool Prints" (Frankfurt), "Naked Beauty" (Hannover)

Der Katalog zur Frankfurter Ausstellung, Verlag Hatje Cantz, kostet im Museum 20 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro. Der Katalog zur Hannoveraner Ausstellung ist im Kehrer Verlag erschienen und kostet 28 Euro